Ein Schlußwort

Mein letzter Besuch im Steinfurter Bagno.

Von Pfauen, geheimnisvollen Vögeln und einem Brückenheiligen.

Es war am Denkmaltag 2015 als ich noch die Fähigkeit hatte selbständig gehend unseren schönen Bagno zu besuchen. Es war aber schon die Zeit der Nacht mit der mystischen Kraft des Schimmerns zwischen Nacht und Morgendämmerung in der sich Ahnungen erfüllen und Seher ihre Botschaften erhalten. So machte ich mich auf zu einem spirituellen Erlebnis welches mich ungläubig staunend zum staunenden Gläubigen werden lies. Die Gedanken fließen einem zu und Traum und Wirklichkeit vermischen sich.

Ich betrat die Feenwelt an der Brücke, an der früher einmal der Merkurtempel stand. Beim Blick  auf die Ruineninsel zu meiner Linken bemerkte ich ein Schimmern das zu einem Licht wurde. Nebel zog auf und mit lautlosem Flügelschlag kam etwas Großes von hinten über mich hinweg geflogen. Aus der Ferne glaubte ich den Schrei eines Pfaus zu vernehmen und im Wasser das Flügelschlagen und Schnattern eines Entenpaares. Jetzt sah ich auch von den anderen Inseln im See Lichter aufsteigen, die sich in einer Dunstwolke an der Knüpelbrücke zusammenfanden.

Ein Spaziergänger näherte sich. Seltsam, es muß ein Priester gewesen sein, denn er war gekleidet mit einem Rochett wie man es früher von katholischen Geistlichen her kannte, unten mit langen Spitzen. Auch trug er ein einfaches Birett, eine runde Kappe. Darum standen die 5 Lichter und leuchteten wie Sterne. Er kam auf mich zu und legte einen Finger an den Mund und sagte:

„Komm, hab kein Angst. Du verrätst nix, is alles wahr!“

und es hörte sich an wie Kater Mikesch früher aus dem Kinderprogramm. Wir gingen schweigend über die Knüppelbrücke und um den Verlobungsberg auf die Kettenbrücke. Erst jetzt traute ich mich zu fragen wer er denn sei. Daraufhin legte er nun zwei Finger auf die Lippen und zischte:

„Ich bin doch der Pomuk, der Pomuk bin ich, nicht der Jan Husz!“

Mit beiden Begriffen wußte ich nichts anzufangen. Als wir von der Wackelbrücke stiegen, wandte er sich rechts in das Gebüsch und sagte mit zittriger Stimme:

„Hier wird man Heil erfahren wenn man denn glaubt und dran baut; aber wer glaubt denn heute noch und baut drauf auch wenns wahr is. – Denk an mich.“

Ich verabschiedete mich mit einem Handschlag aber ich fühlte keine Hand. Nebel zog auf und die Erscheinung verschwand plözlich im Dunst wie sie gekommen war. Ich stand gerade auf der Brücke, als mich ein Windstoß streifte und das große Uhuweibchen flog so dicht über meinen Kopf, daß ich die weichen Federn fast in meinem Gesicht spürte. Ein eigentümlicher Geruch nach fauligem Wasser zog an mir vorbei und vom Schloß schlug die Glocke fünfmal. Seltsam, welche Zeit mochte das sein? Jetzt fiel mir das Gehen plözlich ganz leicht aber es sollte das letztemal sein, daß ich den Park gehend besuchen konnte.


Ich sah mit Staunen und Vergnügen
Eine Pfauenfeder im Korane liegen:
„Willkommen an dem heil’gen Platz,
Der Erdgebilde höchster Schatz!

An dir, wie an des Himmels Sternen,
Ist Gottes Größe im Kleinen zu lernen.
Daß er, der Welten überblickt,
Sein Auge hier hat aufgedrückt,

Und so den leichten Flaum geschmückt,
Daß Könige kaum unternahmen,
Die Pracht des Vogels nachzuahmen.
Bescheiden freue dich des Ruhms;
So bist du wert des Heiligtums!“
Joh.W.v.Goethe

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