Schloß und Lange Allee

SchloßTopIch begrüße Sie ganz herzlich zu Ihrem Bagno – Rundgang.

Sollten Sie vom Schloßparkplatz oder Caravan-Stellplatz kommen, wird Sie natürlich auch das Steinfurter Schloß interessieren, ohne das, bzw. ohne seine früheren Bewohner, der „Volksgarten im Sundern“ garnicht denkbar wäre.

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Graf Karl Ernst von Bentheim Steinfurt

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Graf Ludwig W.G.E.v. Bentheim-Steinfurt

Die Geschichte dieser an der Steinfurter Aa errichteten Wasserburg führt bis in das 12. Jahrhundert zurück. Nach einer Zerstörung im Jahre 1164 begannen die Herren von Steinfurt mit dem Wiederaufbau der mittelalterlichen Burg. Im 15. Jahrhundert gelangte die wehrhafte Anlage an die Bentheimer Grafen. Das Wasserschloss wird noch heute von der fürstlichen Familie zu Bentheim-Steinfurt bewohnt und ist daher nicht zu besichtigen. Die weitläufige Parkanlage im Südosten des Wasserschlosses erhielt seinen Namen von einem um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten Badehäuschens (ital. „il bagno„).

Die Blütezeit der einstmals kunstvoll gestalteten und weit gerühmten, fast 50 Hektar großen, Garten- und Parkanlagen war der Zeitraum zwischen 1765 und 1820 in der Regierungszeit von Graf Paul Ernst und Graf Ludwig von Bentheim-Steinfurt.Schloß3


 Sicht vom Torturm auf die innere Insel


Falls es Sie interessiert, wer der nette Herr auf seinem Sockel ist, der Ihnen vielleicht am Bagno- Eingang schon aufgefallen ist, das ist Reichskanzler Otto von Bismarck. Die bronzene Statue wurde 1898 Im Bereich des alten französischen Gartens aufgestellt.

Eine kurze Erläuterung für unsere Gäste:
1862 inmitten einer schweren Krise der Monarchie ernannte der preußische König und spätere deutsche Kaiser Wilhem I. Bismarck trotz Bedenken zum Ministerpräsidenten. Bismarck schuf eine Bismarckmoderne Sozialgesetzgebung und führte in Deutschland die Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung ein. Schlachtschiffe und Heringshappen wurden nach ihm benannt, Schnäpse und Mineralwasser. Die für Bismarck bittere Entlassung durch den jungen Kaiser Wilhelm II. 1890, kommentierte das britische Magazin „Punch“ in einer berühmten Karikatur mit den Worten: „Der Lotse geht von Bord.“ Am 30. Juli 1898 starb Bismarck, mit 83 Jahren. Niemandem sind jemals mehr Denkmäler errichtet worden. Und so steht eines auch in Burgsteinfurt. So viel zu unserem „Oberförster“, wie er respektlos als Denkmal am Bagnoeingang auch schon mal genannt wird.


Das im Burgstil einer Motte entstandene Wasserschloss liegt mit seinen vielgestaltigen Bauten auf einer felsigen Vor- und Hauptinsel, der Wörth. (So nennt man eine steinerne Binneninsel.) Die Herren von der „stenern Wörth“ gaben dem Ort schon bald den Namen „Stenvorde“ woraus sich aus dem Plattdeutschen dann der heutige NameSteinfurt“ bildete.  (Das mit der „steinernen Furt“ ist die Version für die Touristen.)  Die Vorburg ist an der Außenseite von einer Ringmauer umgeben, an die sich mehrere Gebäude anlehnen. Der Zugang erfolgt über eine Brücke durch ein schmuckes Fachwerk-Torhaus aus dem 15. Jahrhundert.

DebSchloßanlageVon den beiden auf der Vorinsel angesiedelten Burgmannshöfen hat sich noch der Rheinesche Hof von 1617 erhalten. Anstelle des anderen Hauses wurden im frühen 19. Jahrhundert zwei große Ökonomiegebäude errichtet, an die sich mehrere Wagenremisen anschließen. Die Kutschen kann man heute im Bentheimer Schloß besichtigen. Das barocke Brunnenhäuschen in der Mitte des Hofes stand ursprünglich im Kloster Frenswegen bei Nordhorn. Es gelangte durch die Säkularisation im 19. Jahrhundert in den Besitz der Fürsten von Bentheim. Bis 2004 wurde es noch durch eine hölzerne Wasserleitung, mit Wasser aus dem Bagno versorgt.

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Wehrturm vom Arionshügel aus gesehen

Zu den ältesten Bauten der Burg gehören Teile der Ringmauer, der mittelalterliche Torturm und eine romanische Doppelkapelle vom Ende des 12. bis Anfang des 13. Jahrhunderts. Verbunden mit einer Öffnung weist sie auf die Symbolik des Johanniterordens hin. (Lukas 18,25)

Hinter dem Durchgang des mächtigen Torturmes öffnet sich der weite Raum des Innenhofes mit seiner malerischen Bebauung, die vom 12. bis ins 19. Jahrhundert hinein fast alle Stilelemente der Architekturgeschichte aufweist. Aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammt das „Neue Steinhaus“ mit seinen charakteristischen gotischen Treppengiebeln und einem alten Rittersaal im Innern. Von den verschiedenen Bauten des 16. bis 18. Jahrhunderts ist besonders das Haus der Gräfin Walburg mit einem prachtvollen, zweigeschossigen Vorbau aus dem Jahre 1559 erwähnenswert.

Der Vorbau, die sogenannte Auslucht, ist mit reichen Ornamenten der Frührenaissance verziert und gilt als ein bedeutendes Werk des Münsterischen Bildhauers Johann Brabender. Das vom Park aus einheitlich wirkende Bauensemble der Hauptinsel wird jeweils vom mittelalterlichen Torturm mit seiner barocken Haube und einem im südwestlichen Winkel des Burghofes 1595 errichten großen, viereckigen Treppenturm überragt. Deutlich hebt sich im Süden der Anlage der markante Treppengiebel des „Neuen Hauses“ von der vorwiegend ringförmigen und traufenseitigen Bebauung ab.

Schloß BurgsteinfurtAn das alte Gebäude schließt sich ein sogenannter Blumengang an. Der zweigeschossige Vorbau wurde 1878 als Verbindungsgang vom Rittersaal zu weiteren Schlossräumen errichtet und gleichzeitig auch als Wintergarten benutzt.  Die Blütezeit der einstmals kunstvoll gestalteten und weit gerühmten Garten- und Parkanlagen war der Zeitraum zwischen 1765 und 1820. Mit der Regierungszeit des Grafen Karl Paul Ernst zu Bentheim-Steinfurt beginnt die Geschichte des Bagnos. Er hatte die Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) in Frankreich verbracht und lernte von Paris aus zahlreiche französische Gärten und Parks kennen.

große Allee

später mehr zur Bagnogeschichte

Er begeisterte sich für die Ideen der Aufklärung und der Freimaurerei. Er traf Voltaire und war sein eifrigster Verehrer.  Außerdem konnte unser Graf in dieser Zeit Bekanntschaft mit vielen anderen geistreichen Männern machen z.B. Diderot, d’Alembert und Benjamin Franklin, den er später sogar nochmals in London traf. So begann er nach seiner Rückkehr ab 1765 mit der Gestaltung einer großzügigen regelmäßigen Barockanlage, die weit in den an das Schloss angrenzenden Wald reichte. Durch das Waldgebiet führten zur dieser Zeit drei Wege von Burgsteinfurt nach Münster. Der breiteste Weg wurde zur „Großen Allee“ ausgebaut und bildete eine vom Schloss in östlicher Richtung verlaufende mehr als ein Kilometer lange Achse durch den Park. 1820 begann der Abbruch vieler Bauwerke und der Park wurde in der nachfolgenden Zeit hauptsächlich forstwirtschaftlich genutzt. In dem vormals durch zahlreiche Besucher stark frequentierten Park eroberte sich eine artenreiche Flora und Fauna ihre Lebensräume zurück.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde ein monumentales Denkmal zu Ehren der Gefallenen aufgestellt. 1906 hat die fürstliche Familie am Rande des einstigen Tiergartens mitten im Wald ihren Friedhof angelegt.

Erst mit der Gründung des Golfclubs Münsterland und der Aufnahme des Spielbetriebes im Jahre 1952 fand wieder eine raumgreifende Nutzung des Bagnos statt. Nahezu alle Wiesenflächen des Parks werden heute als Anlagen des Golfclubs genutzt. Die Neue Wache, 1806 als Wachhaus für die gräfliche Garde erbaut, wird heute vom Golfclub als Vereinsheim genutzt.

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