Das gräfliche Kunsthaus oder Raritätenkabinett

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Abb.: Beispiel eines typischen Raritätenkabinetts

An der Burgstrasse 3 befindet sich ein vor der Jahrhundertwende vom 18. ins 19.Jh. erbauter roter Backsteinbau. Heute ist in dem Haus an der Burgstrasse das Therapiezentrum Raus untergebracht. Schon bei Döhmann wird die ursprüngliche Zweckbestimmung zitiert:

Döhmann Zit.: „Auf seinen Reisen sammelte der Graf unermüdlich wertvolle Bücher, Inkunabeln, Handschriften, Musikalien, Bilder, Münzen, Mineralien und allerlei Raritäten aus dem Tier- und Pflanzenreich für sein geliebtes Kunsthaus oder Museum“.

Die damaligen Wunderkammern oder Kunstkammern gingen aus den früheren Raritäten- oder Kuriositätenkabinetten (Panoptika) hervor und bezeichnen ein Sammlungskonzept aus der Frühphase der Museumsgeschichte, das Objekte in ihrer unterschiedlichen Herkunft und Bestimmung gemeinsam präsentierte.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Kunst- und Wunderkammern von den heute üblichen, spezialisierten Museen, besonders den Naturkundesammlungen mit ihrem wissenschaftlichen Anspruch abgelöst. Neben den universellen Kunst- und Wunderkammern bestehen auch reine Kunstsammlungen oder reine Naturalienkabinette.

Kunsthaus

Abb.: Das rheinenser Tutehorn, erobert während der Stiftsfehde und der Zahn eines Narwales, wurden lange Zeit im Kunsthaus aufbewahrt.

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Ein Blick in die Burgstraße auf einer alten Ansichtskarte von 1910

Die damalige gräfliche Raritätensammlung aber, darf man heute durchaus als einen frühen Versuch einer  wissenschaftlichen Sammlung bezeichnen. Für das gräfliche Kunsthaus, wie man das Kabinett nannte, hat sich auch besonders einer der Söhne des Grafen Ludwig eingesetzt. Der Zahn eines Narwales, (er wurde für das Horn eines Einhorns gehalten), das erbeutete Nachtwächterhorn aus Rheine und sogar eine ägyptische Mumie befanden sich zeitweilig dort. Ein Blick in die Burgstraße auf einer alten Ansichtskarte von 1910 zeigt das ehemalige fürstliche Kunsthaus oder Museum, in dem außer einigen Gemälden eine bedeutende Büchersammlung von über 13000 Bänden untergebracht war, bevor sie 1873 an die Universität Straßburg gespendet wurde. Hier befanden sich ausserdem mancherlei Erinnerungen an die Steinfurter Hohe Schule, ferner Sammlungen von Naturalien, Münzen, Antiquitäten und andere Kuriositäten, so wie es in den damals in Mode gekommenen Kabinetten üblich war. Später diente es als Domänenkammer und dem jeweiligen Kammerdirektor als Wohnung.

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