Johannes Althusius

wurde 1557 zu Diedenshofen in der Grafschaft Wittgenstein geboren. Nach seinem juristischen Studium auf den Hochschulen in Köln, Basel und Genf promovierte er 1586 in Basel, um kurz darauf den juristischen Lehrstuhl an der reformierten Hochschule in Herborn zu übernehmen. Er war ordenlicher Professsor an der Hohen Schule in Burgsteinfurt,

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bis er 1604  als Stadtsyndikus nach Emden ging und dort dieses Amt bis zu seinem Tode 1638 betreute.

Johannes Althusius ist durch seine Lehre von der Souveränität und dem Widerstandsrecht des Volkes gegenüber dem Obrigkeitsstaat, die er in einem 1603 erstmalig erschienen Buch „Politica“ veröffentlichte, für die Entwicklung der Staatsrechtslehre und der Staatsverfassung in Westeuropa und Amerika von großer Bedeutung geworden.

Althusius war ein politischer Theoretiker des Calvinismus und forderte den genossenschaftlichen Staatsaufbau von unten her und suchte Politicadiesen Grundsatz kompromißlos auf alle Gebiete staatlichen Lebens zu übertragen. Er prägte die Begriffe „Volkssouveränität“ und das „Subsidiaritätsprinzip“ und wurde auch von Rousseau in seiner Staatsrechtslehre verwendet. Daß das Subsidiaritätsprinzip ein Grundbegriff aus der katholischen Soziallehre sei, wird in der päpstlichen Enzyklika Quadragesimo anno aus dem Jahr 1931 erwähnt. Es stammt aber ursprünglich von Althusius, der es schon 1603  in der Hohen Schule in Burgsteinfurt seinen Studenten erläuterte.

Althusius war unablässig bemüht, seine staatsrechtlichen, sozialphilosophischen und genossenschaftrechtlichen Gedanken und Forderungen auch in die Praxis umzusetzen und so z.B. eine Art „Modellrepublik“ der Volkssouveränität zu verwirklichen. Ohne die Vorarbeiten dieses Sohnes unserer Stadt wären weder die Verfassung der Vereinigten Staaten, noch unser Grundgesetz denkbar gewesen.

Seine damaligen Grundforderungen: Die Beschränkung der Regierungsgewalt durch die Kontrolle genossenschaftlicher Vertretungsorgane und der kompromißlose Primat staatlichen Denkens vor den individuellen Machtansprüchen einzelner gekrönter Häupter wurden auf deutschem Boden erst unter völlig anderen Voraussetzungen in der Weimarer Verfassung von 1919 verwirklicht.

In unserer Grafschaft Steinfurt hatte er mit Graf Arnold einen aufmerksamen Zuhörer und Förderer. Heute steht in unserer Verfassung der Grundsatz  „Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus“ (Art. 20, Abs. 2 GG). Sieht man einmal vom Vatikanstaat und einigen monarchischen und autokratischen Regimes in der arabisch-islamischen Welt ab, so berufen sich heute eigentlich alle Staaten der Welt – zumindest verbal – zu ihrer Legitimation auf diese Verfassungsformel.

Auch in neuerdeutschen „Volksbewegungen“, wo diese Berufung ganz offensichtlich nichts mit der Realität zu tun hat, ist sie üblich und stereotyp. War „Wir sind das Volk“ noch der Weckruf einer unblutigen deutschen Revolution, läßt heute der gleiche Slogan rechter Machtideologen jeglichen Gedanken an die Chancen demokratischer Veränderungen sanft entschlafen.


Nicht gut genug als Strassenname?

In Steinfurt hat man es nicht so mit lateinischen Namen. Als man kürzlich für ein Baugebiet neue Strassennamen benötigte und vom Stadtarchivar u.A. auch „Althusius“ vorgeschlagen wurde, rümpfte man pikiert die Nase und konstatierte, daß dieser Herr in Steinfurt doch zu unbekannt sei und der Name, weil unaussprechlich für unsere Jugend, nicht zugemutet werden könne.

Ja was kann man denn wohl sonst als Strassennamen „zumuten“? Rappernamen oder HipHop-Größen auf Strassenschildern etwa? Unsere Lokalpolitiker sollten sich einmal erinnern, wem sie ihre Funktionen zu verdanken haben und dann noch einmal überlegen, bevor sie zu so einem Statement kommen.

(das war jetzt auch wieder meine ganz private Meinung)

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