Das Steinfurter Bagno heute

„Das Steinfurter Bagno ist eine der eigenartigsten Schöpfungen der Gartenkunst in Nordrhein-Westfalen.“ So beschreibt unseren Park die Münsterland-Touristik. „Die weitläufige Anlage im Südosten des Wasserschlosses der Fürsten von Bentheim-Steinfurt erhielt ihren Namen von einem Badehäuschen – italienisch „il bagno“.

graeflicher-park-hotel-spaIn Steinfurt vollbringt man das Kunststück, ein Café, eine Bratwurstbude, einen Tretbootverleih und einen kostenpflichtigen Parkplatz um einen Themenpark aus dem 18. Jahrhundert zu gruppieren, dessen Attraktionen fast alle bereits vor knapp hundert Jahren abgerissen worden sind.

Die Zeitschrift Merian nannte die heutige Ansicht des einst berühmten Bagnos eine “wohltuende Leere”! Das ist eine sehr schöne und zutreffende Formulierung, denn von dem ehemaligen “Volkslehrpark der Aufklärung” ist praktisch nichts geblieben.

Gut 240 Jahre nach den Anfängen des gräflichen Gartenbaus wollte man sich in Steinfurt mit der Leere im Busch nicht mehr zufrieden geben. Man stellte Schilder an alle Straßen, verwies auf das Bagno und renovierte mithilfe von Denkmalpflegern im Zuge der Regionale 2004, einer Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, die Anlage an wichtigen Stellen, zum Beispiel am Eingang den großen Parkplatz; und die Konzertgalerie versah man mit einem zweckdienlichen Foyer. Das kann man heute als das teuerste Kassenhäuschen Europas bezeichnen. Denn für mehr als den Einlass zu den wenigen Konzerten hat es keine vernünftige Funktion. Sogar die Toiletten kann der Bagnobesucher nicht benutzen.

Dennoch, und das entspricht belegbaren Zahlen und Größenangaben, ist der Steinfurter Bagno mit einer Gesamtfläche von 125 Hektar nach dem Central-Park von New York mit 341 Hektar, der größte innerstädtische Park, rechnet man nach qm pro Einwohner. Verglichen mit anderen Parkanlagen aus der Goethezeit, zeichnet sich unser Bagno durch die Verwendung damalig ausgefeilter Technik aus und hätte schon desswegen, noch vor dem Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe eine Auszeichnung als Weltkulturerbe verdient. Leider sind bis heute die technischen Bodendenkmäler weder erfasst, noch unter Schutz gestellt.

“Keine historisierenden Zitate” lautete 2004 die Devise. Entsprechend war dann auch das Ergebnis. Dem großen Platz im Zentrum der Anlage, Bagno-Quadrat genannt, gab man eine gewisse Kontur. Doch dadurch wirkt die Anlage nicht puristisch, symmetrisch klar wie beabsichtigt, sondern lustlos und leer. Eine große Fläche die heute für eine schnöde Wirtschaftskirmes (Bagnomarkt) herhalten muss.

Vor der Konzertgalerie findet sich seit der Regionale ein großes langes Becken. Weit abseits ein paar Bankreihen, wohl zu dem Zweck aufgestellt, um über Beton und Sandflächen zu meditieren. Man gab dem Gelände ausgerechnet eine Interpretation, die Graf Karl mit Sicherheit nicht gefallen hätte und den Steinfurtern heute schon gar nicht. Wie üblich entstand ein Denkmal inhaltsloser Selbstdarstellung der ausführenden Landschaftsplaner (denen durch die spielerische Aufstellung “historisierender Zitate” des Künstlers van den Driesch sicherlich heute der Kamm schwellen müsste).

Auch stellte man viele Schilder vor zahllosen Gebüschen auf und verwies darauf auf die Gebäude, die dort seit mindestens hundert Jahren nicht mehr stehen nach dem Motto “Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.” Der Parkplatz wurde schnell kostenpflichtig und die Preise erst kürzlich wieder angehoben, man kann sogar Dreimonats- und Jahreskarten erwerben, falls man die ausgedehnten Grünflächen häufiger betrachten möchte oder wegen der Wartezeit auf die schleppend servierten Kännchen Kaffee nicht nachwerfen möchte.

Um sich alle fantastischen Gebäude vorzustellen, die an dieser oder jener Stelle einst gestanden haben mögen, müsste man nämlich mehrmals wiederkommen. Das wirkt in natura so bizarr, dass sich allein für dieses absurde Erlebnis zumindest eine Tageskarte lohnt. Um diesen begehbaren Busch wieder attraktiv zu machen, bräuchte es echte Garten-Narren mit einer motivierenden Botschaft im Herzen wie sie Graf Karl Paul Ernst einst einmal hatte.

So aber könnte man hinter der “Entseelung des Bagnos”, dem Abzug sämtlicher kommunaler Einrichtungen Burgsteinfurts, der Schließung der Anlaufstelle, der einseitigen Gewerbeförderung eines “Stadtteils” und den irrwitzigen Plänen zur Umsiedlung von Archiv und Stadtmuseum nach Borghorst einen geheimen Plan vermuten. Das Ganze bekäme dadurch tatsächlich den Charakter einer Verschwörungstheorie.

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