Konzertgalerie

KonzertgalerieKonzertgalerieInnenAbb.: Konzertgalerie  Front und Innenausstattung

Sie befinden sich jetzt vor der Konzertgalerie. Der Platz hinter Ihnen gehört zur barocken Achse. In der Bagno-Symbolik entspricht sie dem Sonnengleichnis und ist der Kultur gewidmet.

Der 1774 errichtete Saalbau, der als erster und einziger freistehender Konzertsaal Europas gilt, verfiel nach dem Zweiten Weltkrieg zusehends und bot Ende der 1980er Jahre ein trauriges Bild des Verfalls. Manchem Spaziergänger erschien der zur Unscheinbarkeit verkommene Bau als „alte Scheune“. Der Putz war abgeblättert, die Türen mit Brettern vernagelt. Der „Schandfleck“ schien kaum noch eine Chance zu haben. *)

Doch gleichzeitig setzte sich eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Bauwerks ein, die sich der überregionalen historischen und künstlerischen Bedeutung des einst prächtigen Rokokosaals mit seinen zum Teil sichergestellten aufwendigen Stuckdekorationen im Stil „Louis XVI“, den grottierten Wandnischen, reich verzierten Spiegelwänden und Deckenspiegeln noch bewusst war. Heute überrascht der im äußeren Erscheinungsbild eher bescheiden wirkende eingeschossige Bau des Gräflichen Baudirektors Joest von Loen im Inneren wieder mit seiner prächtigen Wand- und Deckengestaltung aus Stuckornamentik und kostbaren Spiegeln.

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Durch die Öffnung der Fenstertüren an den Längsseiten wurde bei den sonntäglichen Konzerten bewußt eine große Zuhörerschaft mit in den Musikgenuss einbezogen. Heute ist das anders. Das liebe Geld spielt ja immer eine Rolle wenn es um Kultur geht. Sind deswegen die Armen unkultivierter? Vielleicht, Aber das liegt wohl eher an den Abopreisen für die Konzertgalerie. Die offenen Fenster werden heute ja eher zugemacht als geöffnet, wie das ursprünglich einmal gedacht war.

Im Zuge der detailgetreuen Restaurierung hat man 1994 durch den Anbau eines Foyergebäudes einen zeitgemäßen Veranstaltungsort geschaffen.

Am anderen Ende der Barockachse (in der kleinen Siedlung gegenüber) plante man damals eine Theateranlage. Es kam aber nur zu einer Wallanlage mit einer Stellage, die man zur Illuminationszwecken mit Öllampen ausstattete.

FheaterbühneAbb.:  „Projekt eines Theaters für das Bagno“

Von dort aus hat man einen sehr schönen Blick über den chinesischen Brunnen auf die Konzertgalerie gehabt. Links im Bild, der chinesische Pavillon und rechts im Hintergrund erkennt man wieder den gotischen Kiosk.

ChinTeichAbb.: Blick über die barocke Achse auf die Konzertgalerie


Die Innenausstattung*

Die auf die Bestimmung des Gebäudes hinweisenden, aber auch auf seinen Erbauer bezogenen Leitthemen sind an den Schmalwänden der Konzertgalerie zu finden, die vier Trophäen. Bekannte französische Architekten wie Jean Francois de Neufforge, Jean Charles Delafosse und Richard de Lalonde hatten Graf Karl mit ihren ornamentalen Entwürfen die Vorlagen für die Galerie geliefert.

Entscheidend bei der Auswahl der Motive waren seine besonderen Neigungen und Liebeleien. Vier Trophäen bestimmen die Leitthemen, die Trophäen Musik (links) und Gartenbau (rechts) an der nordwestlichen Schmalseite, die Trophäen Gewässerkunde/Nautik (rechts) und Bildende Künste (links) an der südöstlichen Schmalseite.Die Trophäe „La Musique“ zeigt verschiedene Musikinstrumente, unter anderen eine Panflöte. Die Querflöte, das Lieblingsinstrument des Grafen, war auch im Gebinde der Frontplatte des heute nicht mehr vorhandenen Ofens vor der Ofengrotte und in einem mit Früchten arrangierten Korb in direkter Nähe der Trophäe Gartenbau abgebildet. Auch in der Bekrönung eines Spiegels ist ein Musikinstrument, die Violine abgebildet. Die Trophäe Gartenbau deutet die zweite große Leidenschaft Karls an. Sie wird durch das Bagno selbst mit seinen Parterres, Bosketts und Palisaden zum Ausdruck gebracht. In direkter Verbindung zur letzteren steht die Trophäe Hydrographie oder Gewässerkunde. Sie ist als Anspielung auf die große Rolle des Wassers und die Technik der Anlagen des Bagnos zu verstehen, obwohl die Zahl der Wasserspiele um das Jahr 1774, der Fertigstellung der Konzertgalerie, gegenüber der späteren Entwicklung noch sehr klein war und erst unter Ludwig bedeutende Formen annahm. Der Graf hatte ja das Fach studiert und viele Wasserkünste anlegen lassen. Die auf der linken Seite abgebildete Trophäe Bildende Kunst rundet das Bild insofern ab, als sie die Malerei, die Bildhauerei aber auch die Architektur und die Wissenschaft allgemein andeutet. Die Wissenschaft, symbolhaft als Buch dargestellt, findet auch in Form eines durch ein Fernrohr den Himmel betrachtenden Puttos Unterstützung. Eine Anspielung auf die Astronomie und Nautik. Zahlreiche verschiedene kleine Motive an den Schmal- und Längswänden alternieren die Themen der vier Trophäen in vielfacher Form. Die besondere filigrane Architektur der Grotten an den Schmalwänden ist heute nur noch ansatzweise zu erkennen. 1843 beschrieb ein ungenannter holländischer Besucher aus Koevorden das Bagno und die Konzertgalerie.“ Am oberen Ende des Saales steht Apollo mit der Harfe auf einem Sockel, der zugleich als Ofen dient, während am untern Ende eine Nische angebracht ist, deren Wände mit Korallen und Muscheln und dazwischen hervorlugenden Köpfen von Wasservögeln verziert sind. Ein Mannskopf mit geöffnetem Munde überschaut das Ganze; ferner entdeckt man auch zwei Delphine und auf dem Boden einige Frösche aus Blei. Wenn man nun diese wunderliche und fremdartige Nische hinreichend besehen hat, verschwindet der Cicerone (Fremdenführer) und öffnet den verborgenen Hahn einer Wasserleitung: dann speit alles an der Nische, was nur einen Mund hat, und sogar die bleiernen Frösche tun ihr Bestes und speien Wasserstrahlen.“ Die beiden Grotten, die Ofengrotte und die Brunnengrotte, die hier sehr ausführlich beschrieben werden, zeigten sich in der Mitte des letzten Jahrhunderts noch in ihrer ganzen überschwänglichen Rokokoarchitektur. Heute nur noch fragmentarisch erhalten, heben sie sich deutlich von dem Glanz des wiederhergestellten Wandschmuckes der Konzertgalerie ab. Verschiedentlich wurde die Meinung vertreten, die Grotten in ihrem jetzigen Zustand zu belassen. Die Besonderheit der Konzertgalerie liegt aber nicht nur in ihrer architektonischen Schönheit und in der Einmaligkeit des Baustiles, sondern in der sich in ihr vollziehenden Symbiose zweier am Ende des 18. Jahrhunderts einander ablösenden Architekturstile, des Rokoko und des Klassizismus. Sie gehen in der Konzertgalerie eine einmalige Verbindung ein. Ohne die Wiederherstellung der Grotten, bliebe die Konzertgalerie ein Torso. Diese Erkenntnis läßt es geboten erscheinen, die Rekonstruktion auch der Grotten schnellstmöglichst anzustreben.

Zum Zeitpunkt der Entstehung der Konzertgalerie hatte sich die Architektur der Grotte in den neuen englischen Gärten soweit verselbständigt, daß ihr ein eigener, exponierter Platz zugewiesen wurde. Die Grotten der Galerie greifen im Unterschied zum architektonischen Vorbild des Gebäudes, der Galerie des Grand Trianon im Park von Versailles, auf Vorbilder aus dem süddeutschen Raum zurück. Sie wiederum lassen sich in ihrem Ursprung auf italienische Grottenkompositionen der Renaissance zurückführen. Weniger eindrucksvoll als nützlich und auf den Zweck des Gebäudes hinweisend, war die Ofengrotte mit der Alabaster-Plastik des griechischen Gottes der Musen, Apollon. Sie fügt sich im Gegensatz zur Brunnengrotte nahtlos in die antikisierende Architektur des ‚Style Louis Seize‘ ein. Der als Standfläche der Skulptur benutzte Ofen wird sicher nur in der Übergangszeit zur kalten Jahreszeit den Raum erwärmt haben können und ist als Gegenpol zur gegenüberliegenden Brunnengrotte zu verstehen (Elemente Feuer und Wasser). Teile der Ofenplatte und ein Bruchstück der Apollon-Skulptur werden noch heute im Schloß aufbewahrt. Zweifellos gilt die Brunnengrotte als der besondere Glanzpunkt des Innenraumes der Konzertgalerie, als die „zum Kunstwerk stilisierte Natur …inmitten der strengen Stuckdekoration… Noch ganz dem Geschmack des Rokoko verhaftet, bestechen die Grottennischen aber durch die Vielfalt der Materialien, deren kunstvolle Kombination und die Sorgfalt der Ausführung, die sie in den Rang von Kabinettstückchen erheben.“ Der Kieler Professor C.C.L. Hirschfeld, der 1791 das Bagno und die Konzertgalerie in der von ihm herausgebrachten ‚kleinen Gartenbibliothek‘ beschrieb und als erster Verfechter des neuen englischen Landschaftsgartens in Deutschland galt, drückte seinen Tadel dadurch aus, daß er die Grotten als „ganz im französischen Geschmack“ ausgeführt bezeichnete. Man wird Graf Karl, der sich als Bauherr zwar dem Zwang des Zeitgeschmacks unterwerfen mußte, der in der Wahl seiner Ideen aber sehr starrsinnig war, ein großes Maß an Phantasie, schöpferischer Kraft und hohen Sachverstand bei der Gestaltung des Bagnos und seines ersten bedeutenden Bauwerkes, der Konzertgalerie, nicht absprechen können.

*nach einem Originaltext v. Wolfgang Lübbers

Anm.: Ich interpretiere einige Stuckdarstellungen anders. Das liegt bekanntlich „im Auge des Betrachters.- *) Für aufwendige Restaurierungs- und Erhaltungsarbeiten hat man in Steinfurt noch nie viel übrig gehabt. „Hau wech dat Hüttken un maak wat niéts.“ So geht meistens der Spruch. Aber meist geht das dann in die Hose und man sehnt sich wieder „nach dat olle Hus.“)

Kennen Sie einen Burgsteinfurter Virtuosen und Komponisten?
Hier kommt die Lösung auf die Frage,
die Ihnen vielleicht bei Günter Jauch gestellt werden könnte.

Ner war der letzte Komponist und Gambenvirtuose  oder
*  Wer spielte die kleine Orgel und wer hat sie angefertigt?

Gespielt hat sie der Grenadier Rosslaub, aber hergestellt, in Steinfurt? Und vor allen Dingen: Wer hat sie mitgenommen und wo ist sie jetzt?


Nach diesem Beitrag können Sie noch zum alten Forsthaus weitergehen, oder ein kleines Stück um die Konzertgalerie rechts herum, bis zur Hinweistafel zur  Maurischen Hütte.

Für den kleinen Rundgang sehen Sie erst alles in Ruhe an und gehen dann zur Brücke zurück und biegen dann rechts der Brücke in den Weg bei dem Sie links den See haben und gehen etwa 30m weiter bis zur Hinweistafel für die türkische Moschee und tippen dann auf www-clipart-kiste-de_enter_014

Der  GROßE Rundgang geht weiter mit:Das Foyeer und Maurische Hütte.

 

 

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