BAGNORUNDGANG

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Dein Leben, Mensch, ist eine Reise.
Der Weg verführt, gehe, hoffe (und) sey weise.“

Ami crois, la Vie n’est qu’un Voyage.
Le Chemin le Trompe, Avance, Espere, sois Sage.

Herzlich Willkommen im Steinfurter Bagno, einem ehemaligen Volksbildungs- und Lustgarten des Grafen zu Bentheim-Steinfurt. Der kunstsinnige Reichsgraf ließ in diesem Park eine exotische Gartenlandschaft, im Stil der englischen Gärten errichten. Besucher aus ganz Europa promenierten vor 250 Jahren vom chinesischen Palais zum griechischen Tempel flanierten zwischen Süßem Brünnchen und den Terrassenkaskaden.

„Diese Stadt ist das Paradies Westfalens und das Bagno ihr Stolz und ihre Zierde.“, schrieb Dr. Karl Döhmann im ersten Burgsteinfurter Stadtführer vor rund 100 Jahren. Seinen Namen verdankt das Bagno (italienisch: il bagno) einem Badehaus am See in der Nähe der Arionskaskaden.

Zunächst war der Steinfurter Schlossgarten bis 1764 ein nach französischem Geschmack gestalteteter Barockgarten. Nach und nach entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts im Waldgebiet hinter diesem Garten ein Landschaftspark nach englischem Vorbild. Mehr als 30 Gebäude zierten das Bagno in seiner Blütezeit zwischen 1765 und 1820. Mit der Regierungszeit des Grafen Karl Paul Ernst zu Bentheim-karlSteinfurt beginnt die Geschichte des Bagnos. Er hatte die Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) in Frankreich verbracht und lernte von Paris aus zahlreiche französische Gärten und Parks kennen. Er begeisterte sich für die Ideen der Aufklärung und der Freimaurerei. Er traf Voltaire und war sein eifrigster Verehrer.  Außerdem konnte unser Graf in dieser Zeit Bekanntschaft mit vielen anderen geistreichen Männern machen z.B. Diderot, d’Alembert und Benjamin Franklin, den er später sogar nochmals in London traf. So begann er nach seiner Rückkehr ab 1765 mit der Gestaltung einer großzügigen regelmäßigen Barockanlage, die weit in den an das Schloss angrenzenden Wald reichte.

Zu dieser Zeit gab es jenseits der Gräfte im Südosten des Schlosses bereits einen barocken Garten und einen umzäunten Tiergarten. Beide Anlagen waren bis dahin ausschließlich der Nutzung durch die gräfliche Familie vorbehalten. Die neue Anlage sollte in ihren Ausmaßen deutlich größer ausfallen und der Bevölkerung sowie auswärtigen Gästen offen stehen. Obwohl nach dem Siebenjährigen Krieg in der europäischen Gartenkultur erste Tendenzen zur Abwendung von der formalen französischen Gartenkunst hin zu landschaftlichen Formen der englischen Gartenarchitektur bestanden, hatte Graf Karl seine Vorlieben zunächst noch im klassisch französischen Vorbild. Er beauftragte seinen Oberforstmeister Johann Jost von Loen, einem entfernten Verwandten von J.W.v. Goethe, mit dem Ausbau des ausgedehnten Waldes zu einem großzügigen Park. Zudem sollte in einiger Entfernung zum Schloss eine Sommerresidenz mit den erforderlichen Bauten und einem geometrischen Garten angelegt werden. Durch das Waldgebiet führten zur dieser Zeit drei Wege von Burgsteinfurt nach Münster. Der breiteste Weg wurde zur „Großen Allee“ ausgebaut und bildete eine vom Schloss in östlicher Richtung verlaufende mehr als ein Kilometer lange Achse durch den Park und durch den Wald als dunkle Allee. Eine zweite Allee, die Flussallee, lief in südlicher Richtung auf das Große Rad hin.

Bagno

In der Nähe der heutigen Bagno-Gaststätte, am alten Entencoj, ließ Graf Karl als Sommerresidenz ein kleines Lustschloss errichten. Als Unterkunft für den Hofstaat und die Gäste wurde das Gebäude um vier Pavillons ergänzt. Um das Ensemble gestaltete man einen geometrischen Garten, der von einer quadratischen Gräfte eingefasst wurde. Mitten im Wald entstand so als Sommersitz die barocke Anlage des sogenannten Bagnoquadrats. Der geometrische Garten war mit Heckengängen, Blumengärten, einer kleinen Kaskade und mit Volieren ausgestattet. Das Bagnoquadrat wurde von der Großen Allee seitlich durchschnitten, so dass man vom Schloss durch den Wald kommend die repräsentative Anlage erfahren konnte. Am Endpunkt der dunklen Allee wurde 1774 der prächtige Konzertsaal vollendet. (Baubeginn ca.1772 ) Ursprünglich erstreckte sich an der Nordostseite des Konzertsaales eine weitere barocke Achse in den Wald. Nach dem Vorbild einer vergleichbaren Gestaltung im Schlosspark von Versailles, stieg im Zentrum der Achse eine kleine Fontäne bis zu einer Höhe von 14 m empor. Gespeist wurde diese Fontäne durch eine über 1.000 m weit reichende Holzrohrleitung vom Herrensee auf dem Buchenberg. Diese Wasserversorgung funktionierte noch bis 2004 und speiste über eine 800m lange Holzleitung den Brunnen in der Vorburg des Schlosses.Überregionale Bedeutung und Popularität bekam das Bagno vor allem durch die verschiedenartigsten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen, die zunächst Graf Karl durch van Loen und später dann Graf Ludwig durch seinen Parkplaner Siegfried August v. Goué 1780-1792 im Park errichten ließen. Die Grafen verbrachten mehrere Monate des Jahres im Ausland, vor allem in Frankreich und England, um sich dort für die Gestaltung und Ausstattung des Parkes inspirieren zu lassen. In Anlehnung an die großen europäischen Vorbilder stand auch beim Ausbau des Bagnos eine Häufung von vielfältigen Attraktionen im Vordergrund, die bei den Besuchern Bewunderung und Erstaunen auslösten. Inmitten des dichten heimischen Waldes eröffneten sich plötzlich Ausblicke auf effektvoll gestaltete Partien mit exotischen Bauwerken, die jedoch nicht immer ungeteilte Zustimmung fanden, weil es vielen, so wie heute, an der notwendigen Bildung und Vorstellungskraft fehlte.

Alle diese Anlagen errichtete man nämlich nach einem Plan, der den Ideen des Neo-Platonismus folgte, der damals im aufstrebenden Bildungsbürgertum Mode wurde. Jeder Weg, jede Sichtachse und alle Attraktionen hatten in diesem Plan die ihnen zugewiesene semantische Bedeutung bzw. Funktion. Damals verstand jeder sofort die Bedeutung. Siegfried August v. Goué spielte mit Symbolen und gründete den „Orden vom Übergang“ Er hat viele Symbole daraus im Park verarbeiten können.© r.wiese

Heute tut man sich schwer mit dem Verständnis von Symbolen. Man vermutet Spinnereien und Verschwörungstheorien hinter dem einstigen Bildungskonzept der ersten öffentlichen Parks der Aufklärung. Sie waren in ihrer verborgenen Technik in faszinierender Weise ihrer Zeit vorraus. ludwigUnser Graf Ludwig hatte die Parktechnik sogar studiert und kannte sich bestens in Hydraulik, mechanischer Technik und Botanik aus. Überall gab es Beleuchtung, Wasserspeier und Kaskaden mit fließendem Wasser, ohne daß wir uns bis heute Gedanken gemacht haben, wie man den Park illuminiert hat und wo denn eigentlich das Wasser für die „Attraktionen“ herkam, wie es gespeichert wurde und dorthin geleitet und befördert wurde wo es benötigt wurde. Es gab ja noch keine elektrischen Pumpen und Lampen. Cascade_inKasselDas unterschied unseren Bagno denn auch vom Bergparkpark in Kassel-Wilhelmshöhe, bei dem die treibende Kraft des Wassers von oben nach und nach durch alle Attraktionen bis in den See lief. In Steinfurt musste man sich zu jedem Bild ein neues technisches Realisierungskonzept ersinnen. Das machte die Anlage so aussergewöhnlich aber auch störanfällig.

Begeben Sie sich nun mit mir auf eine phantastische Reise zu diesen Attraktionen und lassen Sie sich in die Traumwelt einer längst vergangenen Zeit entführen.

Wenn Sie vom Parkplatz gekommen sind, haben Sie rechts (im Rücken) das Bagno-Restaurant und sehen in der Ferne die neue Wache. Links im Rund schließt sich das Bagno-Quadrat an und vor sich dürften Sie die sogenannte weiße Brücke bemerken, mit der dahinterliegenden Konzertgalerie. (Diese Brücke entspricht auf dem zum Seitenbeginn gezeigten alten Stich von Le Rouge (einem damals © r.wiesebekannten Kupferstecher in Paris) dem weißen Pfad zwischen den rechteckigen Teichen. Auf dieser Abbildung sind die Seearme noch als flache Becken im französischen Stil angelegt. ) Sie können jetzt erkennen, daß es einmal eine Moschee gegeben hat und wo sie stand und wo der der gotische Pavillon in dem die  feine Gesellschaft z.B. nach einem Konzertbesuch dinierte zu suchen wäre. Der Burgsteinfurter Hof war zu seiner Blütezeit  im ausgehenden 18. Jahrhundert eine sprudelnde Quelle des musikalischen und künstlerischen Lebens. Graf Karl, selbst ein begeisterter Flötist, unterhielt eine mit 36 Instrumentalisten und Sängern besetzte Hofkapelle. Nach dem französischen Vorbild der Schloßgalerie „Grand Trianon“ in Versailles entstand 1774 die „Grande Galerie pour les concerts“.

Während die Hofkapelle zeitgenössische Komponisten der Wiener Klassik spielte, lauschten draußen vor den geöffneten Seitentüren der Konzertgalerie Besucher jeglichen Standes den Klängen der Instrumente, die mit dem Gesang der Vögel verschmolzen. Das Bild der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und der damit angestrebten gleichen Ebene des Grafen mit den Besuchern, fand so einen erlebbaren Ausdruck.© r.wiese

Die Konzertgalerie gilt als der älteste freistehende Konzertsaal auf dem europäischen Kontinent. Aufwendige Stuckdekorationen im Stil „Louis XVI“, grottierte Wandnischen, reich verzierte Spiegelwände und Deckenspiegel geben dem Inneren ein einzigartiges Ambiente. Für die Konzertgalerie gibt es noch eine besondere Innenführung bei der auf die symbolreiche Wand- und Deckengestaltung eingegangen wird. Seit dem Frühjahr 1997, 223 Jahre nach der Erbauung, werden wieder Konzerte mit Künstlern von Weltruf in der sorgfältig konstruierten historischen Stätte gegeben. Einen Konzertplan erhalten Sie bei der Stadttouristik.

Beginnen Sie jetzt den großen als auch den kleinen Rundgang hier von dieser Stelle aus und gehen mit mir über die Brücke zum Infoschild vom  Gotischen Kiosk

-> WEITER immer mit:www-clipart-kiste-de_enter_014

 

 

 

 

 

Hier haben Sie noch eine Möglichkeit für einen Videobesuch für die Gäste aus dem World-Wide-Web