Die Bagno Eingänge

In den großen Rokkokogärten gegen Ende des 18. jahrhunderts waren, wie schon in den französischen Gärten, Figuren aus verschiedenen Mythologien aufgestellt und immer zwingender Bestandteil jeder Gartengestaltung. Als die drei Figuren zum Eingang des Bosquets sind drei Statuen dargestellt. Ich vermute, daß es drei Eingänge, bzw. Zuwegungen zum Bagno gab, die von jeweils einer Figur „bewacht“ wurden. Bosquet ist nämlich auch die Umschreibung für „Wäldchen“ allgemein. Schaut man genau hin, stellt man im Hintergrund jeder Darstellung je zwei bekannte Szenen fest nach denen sich die „Eingänge“ leicht verorten lassen und der vermutliche Aufstellungsort bestimmen lässt. 3EingängeVlnr: Eingang 1 zwischen Konzertgalerie und Cupido Eingang 2 an der alten Wache, Eingang 3 Zwischen Chinesischen Salon und Voliere


Bagnoeingang3Der Eingang 1 scheint zwischen der Konzertgalerie und dem (früheren) Standort des Cupido gelegen zu haben. Etwa am Ende des Weges, der an der Bagnoküche beginnt. Er wurde viel von den Beschickern und Besuchern des Platzes der Spiele genutzt und ist der Eingang zum sogenannten „Lustwäldchen“ (das hieß wirklich so, und war natürlich zum „Lustwandeln“, also der Erholung an frischer Luft gedacht und sonst zu nichts anderem.)
Bagnoeingang1cupido1200Zu sehen sind im Hintergrund die Konzertgalerie und die Statue des Cupido. Ich vermute eine Darstellung der griechischen Göttin Persephone einer Tochter von Zeus und dessen Schwester Demeter. Diese Figur erscheint immer in einer etwas verschämten Haltung dargestellt. Sie verbrachte eine herrliche und unbeschwerte Kindheit mit den Nymphen (die sich der Sage nach auch am Süßen Brünnchen aufgehalten haben sollen)  Tanzend und singend sprang sie über die Wiesen und spielte mit diesen lieblichen Wesen, Cousinen und Halbschwestern. Sie ist die Göttin der Vegetation und Fruchtbarkeit. Seit ihrer Vermählung mit Hades ist sie auch Herrscherin in der Unterwelt. (zu verorten unter der Ruineninsel)  Ihr Aussehen passt sie den jeweiligen Jahreszeiten an. Im Sommer ist ihr Haar hellblond im Winter tief schwarz. In der griechischen Mythologie wird Persephone als fröhliche Göttin mit Kornähren und als ernste Göttin mit einem Granatapfel gezeigt. Im Bagno steht sie dadurch in Beziehung zu Diana und verleiht dem Park die verschiedenen Stimmungen und Farben der jeweiligen Jahreszeit. Eine ganz personale Semiotik in Bezug auf die Verheiratung der ältesten Tochter mit dem Grafen. v. Solms, in der Bagnokapelle 1802 ist nicht auszuschließen. Der Besuch eines Initiationsgartens soll ja auch auf  eine innere Veränderung vorbereiten.

Gardehaus

Eingang 2 ist der, neben der alten Wache etwa in Höhe des heutigen Verkaufsstandes. Im Hintergrund kann man nämlich links die Rotunde und rechts die Einsiedelei erkennen. Die Figur steht gleich nach dem Haus des Parkaufsehers rechts vor der Abbiegung am Wegesende und hält in seiner erhobenen Hand einen Geldbeutel und in der anderen einen Stab.
Es ist der Götterbote Hermes. In der griechischen Mythologie ist er der Schutzgott der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, andererseits auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst und der Magie. Eingang2NeueWacheAls Götterbote verkündet er die Beschlüsse des Zeus und führt die Seelen der Verstorbenen in den Hades (z.B. in die Unterwelt der Ruineninsel). Er gehört zu den zwölf großen Olympischen Göttern. Er steht völlig richtig an diesem Ort, da die Linie, verlängert über die im See befindliche Insel auf seinen Tempel deutet. Mercurius ist nämlich sein Name in der römischen Götterwelt. In der Philosophie der Antike wurde Hermes mit dem Logos identifiziert und als die von den Göttern gesandte menschliche Vernunft gedeutet. Als Gott der Wissenschaften ist Hermes eng mit der Chemie und besonders der Alchemie verbunden. Ein Gefäß so abzuschließen, dass nichts hinein oder heraus kann, nannten die Alchemisten es „mit dem Siegel des Hermes“ [cum sigillo hermetis] verschließen, woher das heutige Wort hermetisch stammt. Durch die Alchemie wird Hermes in die Nähe der Zauberkunst (siehe Fünfstern in der dunklen Achse) gerückt. Da seine Botschaften und Künste immer nur dem einen echten Nutzen bringen, der sie wirklich versteht, verkörpert er mithin die Aufforderung zur Bildung und damit auch wieder das Bagno-Tthema `aus der Magischen Vorstellungswelt in die aufgeklärte Wissenschaftswelt aufzubrechen`, ein Schritt, zu dem der Einsiedler in seiner Eremitage zum Nachsinnen einläd. Übrigens bedeutet diese Konstellation einer Achse über eine Insel und den See hinaus, immer soviel wie „ausreichend Geld und Wohlstand heute und in einer fernen Zukunft“ was richtig genutzt, so eine Entscheidung ja auch zur Folge haben kann.

Eingang3Der 3. Eingang muß wohl ziemlich genau auch dort gewesen sein, wo er heute noch ist. Nämlich inmitten dem Hain der Diana, und wo sich einst im Bagnoquadrat eine schöne Voliere fremdartiger Tiere befand. Ich vermute, die Figur ist die Nymphe Eurydike (griechisch Εὐρυδίκη, die durch ihre Beziehung mit Orpheus*) bekannt wurde.

Sie heiratete Orpheus nach seiner Rückkehr vom Argonautenzug. Als Aristaios eines Tages versuchte, sie zu vergewaltigen, floh sie vor ihm, trat dabei aber auf eine Schlange und starb. (Darum steht sie wohl auch so wackelig auf ihrem Sockel.)  🙂

MenagerieDie Voliere. (Im Vordergrund übrigens eine frühe Entwurfszeichnung für den SteinFURT-Brunnen auf dem Markt.)  ;-}

Dem magischen Klang seiner Leier vertrauend, folgte ihr Orpheus wehklagend in den Hades, das Totenreich der griechischen Mythologie. Man sagt sogar, der Fährmann Charon (hier gibt es einen Bezug zu Hermes) habe den Kahn verlassen, mit dem er die Toten über den Acheron zu führen pflegte, um Orpheus zu folgen. Selbst der Höllenhund Kerberos bellte nicht mehr, und alle Verdammten hatten für diese Zeit Ruhe von ihren Qualen: Ixion, Tityos, Sisyphos, Tantalos und die Töchter des Danaos. Auch Persephone war gerührt, und erlaubte Orpheus, Eurydike wieder mit sich hinaufzuführen, wobei er sie dabei allerdings nicht anschauen durfte. Als er es doch tat, wurde sie ihm von Hermes, dem Götterboten und Seelengeleiter, endgültig entrissen. Neben Arion war im Bagno auch Orpheus*) mit Eurydike in der Nähe der Konzertgalerie zu vermuten. Mit Eurydike ergibt sich auch wieder ein Bezug zu Hermes (der zweiten Figur) und zu den Bildern des Hades (zum Fährmann Charon und zur Unterwelt der Ruineninsel) (der Sänger mit der Leier, war eine ähnliche Figur wie Arion. Beide hatten sich der Musik verschrieben.) Alle Figuren zusammen bedeuten die Harmonie zwischen Musik, Natur und Wohlstand.

Die schöne Voliere fremdartiger Tiere „Les Menagerie des animaux etrangers“ war sehr beliebt wegen dem Äffchen auf der Spitze. Ob das nun eine Darstellung aus Blech war, oder lebendig und dem Parkaufseher gehörte, ist mir unbekannt.

Mono

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