Der Herrensee auf dem Buchenberg

Foto: Rainer Nix

Der Herrensee auf dem Buchenberg ist ist ein bisher noch ungeschütztes „Weltkulturerbe“ *). Der See bezieht sein Wasser aus zwei oberhalb gelegenen Quellen vom Hollicher Esch über Sammelkanäle aus einem bisher noch nicht beschriebenen Kanalsystem im umliegenden Gipfelgebiet rechts und links vom See. Die Kanäle sind besonders zur Bärlauchblüte, wie auf der obigen Darstellung zu sehen, sehr gut zu erkennen und  durchschneiden die Kuppe des Buchenberges bis auf Oberflächenniveau des Herrensees. Sie vergrößern so seine Oberfläche um ein Mehrfaches.

Herrenteich

Die Aufgabe des Herrensees bestand darin, die Anlagen im barocken Teil des Bagnos mit Wasser zu versorgen. Die Anlage war ähnlich wie im Konzept vom Kasseler Bergpark angelegt worden.  Als Baubeginn für die Anlagen des Herrenteiches muß 1773 angenommen werden, da die Fertigstellung zwingende Vorraussetzung für den Bau der Konzertgalerie war. Die Seefläche alleine füllt sich nicht nur vom Regen der darüber niedergeht. Es gibt links und rechts ein extra angelegtes Grabensystem, welches das Regen-, bzw. Oberflächenwasser  dem See zuführt.  An der Stelle, an der der Weg den Bachlauf quert, ist der rechte Zulauf verrohrt und mit einem Wehr regelbar.

Kanäle

Abb.: Festgestellte, bzw. vermutete weitere Gräben

Einige Gräben wurden von mir zwar gefunden, oder werden an den gezeichneten Stellen vermutet, müßten aber noch vermessen und genauer dokumentiert werden. Dort wo sie eindeutig festgestellt werden konnten, sind es teils tiefe Einschnitte bis auf Seeniveau.

Man erreicht den Herrensee, wenn man in Höhe des Parkplatzes vom Lauftreff sich bis auf die Höhe der letzten Gebäude des Hofes Schulze Spenneberg begibt. Vor einem Bach, der rechts aus dem Wäldchen kommt, geht ein Pfad links und parallel zum Bach bis zum Ufer des Herrensees. Links und rechts unten vom See münden die Kanäle, die ihn mit Oberflächenwasser füllen. Rechts gibt es am Feldrain noch zwei Quellen.

Auf der gegenüber liegenden Seeseite sieht man die Reste einer Dammkonstruktion mit eisernen Klammern. Der Damm wurde in Letzter Zeit öfter abgedichtet, verliert aber immer mehr Wasser durch Sickerkanäle in das darunter liegende Gelände. Das am linken Ende liegende, als „Wasser-Überlauf“ bezeichnete Rohrstück ist in Wirklichkeit auch ein Zulauf aus den darüber einspeisenden Sammelkanälen. Herrensee
Das Besondere an der Burgsteinfurter Anlage dieses Speichersees ist, daß man vor 250 Jahren das Kunststück fertiggebracht hat auf einer Bergkuppe, der fast höchsten Stelle des Buchenberges, einen künstlichen See mit einem Fassungsvermögen von 2100m² anzulegen. Dazu mußte ein Damm konstruiert werden, damit der Seeinhalt nicht 15m hinabstürzt. Dieser Damm und die dazugehörige Entnahmetechnik sind nunmehr fast 250 Jahre funktionstüchtig geblieben. Sie haben die Anlagen des Bagno mit Wasser versorgt und auch noch über eine 1000m lange Leitung den Brunnen in der Vorburg vom Schloß gespeist.

Die in der Bohrmühle des Fontaineers angefertigten hölzernen Rohrleitungen führten nach den Ablass-Schiebern und einem Syphon-System ca. 800m bis zur Konzertgalerie. Dort speisten die Leitungen Sammelkästen für die Grotte und den Neptunsbrunnen. Ein Abzweiger verlief zum chinesischen Teich und von dort weitere 1000m zum Schloß, welches bis zum Jahre 1908 vom Reservoir auf dem Buchenberg versorgt wurde und erst danach an die städtische Wasserversorgung angeschlossen wurde.

Bis 1958 sprudelte die kleine chinesische Fontaine noch und hätte es bei guter Pflege auch noch ganztägig auf 14m Strahlhöhe gebracht. Die Anlagen sind alle leider der Innovationswut von Architekten zum Opfer gefallen, die jegliche  „historischen Zitate“ als das Ende ihrer beruflichen Selbstdarstellungsmöglichkeit empfinden und daher ablehnen.

Darauf war man dann auch noch besonders stolz und schrieb auf ein Banner am Parkeingang: „… keine historische Zitate!“ Leider gibt es bis heute keine Lagepläne über den Verlauf des Rohrsystems. Noch 1967 hatte man ein beim Strassenbau beschädigtes Teilstück durch ein Plastikrohr ersetzt. Eine Ausweisung als (Boden-) Denkmal wurde bisher nicht für nötig gehalten. Der See auf dem Buchenberg brachte es an seiner tiefsten Stelle auf 1,90m Tiefe. Heute ist alles verschlammt und nur bei Höchstständen dürften 1,50m erreicht werden. Bei Niedrigwasser gibt der See übrigens ein kleines Geheimnis preis. Es sind dieses die schon von Lübbers erwähnten grünseidenen Muscheln, die 1802 in Amsterdam für die Sala Terra an der großen Fontaine bestellt worden waren.  Leider werden die Fundstücke immer wieder von unwissenden Findern entnommen und unsachgemäß geöffnet. Dadurch gehen sie für eine Reparatur der Muschelgrotte in der Konzertgalerie natürlich verloren.

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 *) Das mit dem Weltkulturerbe ist zwar noch nicht beantragt, sollte man aber überlegen. Der Aschensee in Kassel ist genau wegen der genialen Sammelkanäle in das Verzeichnis aufgenommen worden.

 

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