Ägyptischer Turm und westfälischer Meierhof

Belverder

Der Ägyptische Turm, erbaut 1781 und danach immer wieder verbessert und zuletzt mit einer Aussichtsplattform auf der Spitze versehen, war für die Wasserversorgung der Großen Fontaine gerade ausreichend. Der Turm hatte im Endausbau eine Höhe von 63m wobei der höchstmögliche Wasserstand in den Behältern bei 51m endete. Um 1820 verlor er seine Funktion.

triangulationsnetz

Trig.  Punkte im DHGN

Aber noch bei der preussischen Landvermessung Westfalens diente er im Juli 1828 wegen seiner von dort aus guten Fernsichtmöglichkeit als trigonometrischer Punkt im Preussischen Haupt- Dreiecksnetz. (der nächste Hauptpunkt wäre in Rheine.) Es ist der einzige Punkt, von dem aus die beiden Ortsteile Borghorst und Steinfurt gleichzeitig zu sehen sind! Andere Attraktionen aus dem Vorratsbehältnis mit Druckwasser zu versorgen, dürfte schon wegen der langen Zuleitungen, höchst unwahrscheinlich gewesen sein. Es war ja gerade das Besondere, daß für jedes einzelne Objekt im Bagno, welches Wasser benötigte, ein eigenes Versorgungskonzept erdacht werden mußte. Nur die kleine Fontaine in der barocken Achse und die 2 Wandbrunnen in der Konzertgalerie waren an das Versorgungsnetz vom Buchenberg angebunden, das auch noch den Zierbrunnen und die Pferdetränke in der Vorburg vom Schloß bis 2004 versorgte. Bei der Neugestaltung für die Regionale sind diese Leitungen und technischen (Boden)-Denkmäler aber alle mutwillig zerstört worden und können jetzt auch nicht mehr nachträglich archäologisch untersucht werden.

In der Symbologie des Bagnos nimmt der Turm eine Besondere Stellung ein. Goué vereinnahmt Ihn als Zeichen für die Einweihung. Standhaftigkeit und Zweckbestimmung waren Eigenschaften des ägyptischen Turms. Und für den „Wahrheitssucher bedeutete er einen höheren Punkt der Überschaubarkeit und Einsichtsfähigkeit.  In seiner Dichtung wird daraus:

Turmgleichnis

Grundlagen der “Bagnophilosophie” sind die neu-platonischen Gedanken zur Erkenntnistheorie. Das Bild des „auf-dem-Turm-stehens“ vermittelt das Bild von der „Entfernung aus der sicheren Bodenhaftung und hin zum Mut für neue Standpunkte“.

Ein westfälischer Musterhof:Abb.: Sicht auf das Große Rad und den Ägyptischen Turm. Davor der „Westfälische Musterhof“

Zum Bagnokonzept gehörte auch die Darstellung eines Westfälischen  Meierhofes.  Morgen- und Abendwerk, ein ländliches Idyll ganz im Sinne Rousseaus. Der preußische Kriegskommisär Johann Christian Schubart (Landwirt, geb. zu Zeitz in Sachsen 24. Februar 1734, gest. 23. April 1787, gehörte zum Orden des Übergangs und setzte sich sehr für seine Verbreitung ein. Er war ebenfalls Freimaurer und Sekretär der altpreussischen Großloge zu den Drei Weltkugeln (3WK)  Er war häufiger Gast in Burgsteinfurt, auch weil Goué beabsichtigte, die Ortsloge der GL 3WK zuzuführen. Schubart hat sich seit 1744 für das verbesserte landwirtschaftliche System des Lupinen- und Kleebaus in Böhmen und Mähren eingesetzt und zum Teil auch um die Stallfütterung und den Fruchtwechsel so wesentliche Verdienste erworben, daß ihn Kaiser Joseph II. Von Österreich mit der Ritterwürde und dem Prädikat Ritter von Kleefeld, zum Direktor der kaiserlichen Domänen unter den „vortheilhaftesten Bedingungen“ in österreichische Dienste berief. Die für damalige Verhältnisse ausgezeichneten Besucherzahlen des Burgsteinfurter Bagnos ermöglichten es, den Drunkemöllerischen Hof als Musterbetrieb dergestalt zu präsentieren, daß sich die damals überwiegend in der Landwirtschaft engagierten Besucher von der Wirksamkeit und Notwendigkeit moderner landwirtschaftlicher Methoden überzeugen konnten.  So erfüllte unser Bagno eine wichtige Multiplikatorfunktion bei der Verbreitung moderner Agrarmethoden. Der Hof wurde 1909 an höherer Stelle wiedererrichtet. Am Stallgebäude links befindet sich heute noch eine wiederverwendete Tontafel, die an den Kleeanbau erinnert.

Hinweis:
Der Zuweg zum Hof ist bereits Privatgelände und heute nicht mehr allgemein zu besichtigen !  Btte nehmen Sie Rücksicht auf Mensch und Vieh eines traditionell vorbildlich geführten Landwirtschaftlichen Betriebes.


Sie können von hier aus den Bagnorundgang beenden und den breiten Pfad zur Konzertgalerie zurückgehen. Sie erreichen dort wieder das Alte Forsthaus. Von dort gehen Sie vor der weissen Brücke rechts ab zum Platz der ehem. -> Moschee. Wenn Sie den Großen Rundgang noch zu Ende bringen wollen ( es wird an dieser Stelle schon etwas anstrengend, weil Sie ja noch um den See zurück zum Parkplatz wollen. ) dann gehen Sie den Weg, den Sie gekommen sind wieder zum Seeufer zurück und biegen links ein zu den Collonaden.

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