dunkle Allee, mit Quincunx und Wildgehege


FreigehegeAbb.: Das Gehege, in dem die „Vorräte“ der Bagnoküche gehalten wurden.

Kommt man vom Schloß die Große Allee entlang, dann mündet diese in die Dunkle Allee. Wie alles, hat dieser Übergang wieder symbolische Bedeutung. „Aus der Dunkelheit ins Licht“, dieser Ruf findet sich überall wieder. Das erste Stück rechts war der Platz des Wildfreigeheges. Dort hielt man die verschiedensten Wild- und Haustierarten. Sie waren nicht nur der Anschauung wegen dort, sondern dienten auch der Bagnoküche als Vorratsbestand. Auf der anderen Seite, (heute nur noch eine kleine Waldlichtung) war ein großer Teil des gräflichen Gemüsegartens.

Auf dem weiteren Wege erwähnt Prof. Hirschfeld in seiner Bagnobeschreibung den Quincunx,  In neueren Beschreibungen wird dieses Wegemuster auch als Jagdstern beschrieben. Nur, wofür benötigt man in unmittelbarer Nähe zum Freigehege einen Stern zum Jagen? Das scheint mir eher der Phantasie einiger Jagdgenossen entsprungen zu sein. Das Quincunx-Muster ist eine in vielen Kulturen zu findende, intuitiv einfache Anordnung von fünf Punkten.  ⚄

Es findet in diverse philosophischen Betrachtungen Eingang:

  • In der Zahlensymbolik der Pythagoreer drückte es die besondere Bedeutung der Zahl Fünf aus. Diese findet sich auch in der Zahl der Inseln im Bagno-See wieder.
  • Es findet sich auch in der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre, wieder in einem auf das erste vorchristliche Jahrhundert zurückgehende `Buch der Urkunden` und symbolisiert ein Zentrum und vier Himmelsrichtungen.

Das Muster fand und findet in verschiedenen Bereichen Anwendung:

  • In der Gartenkunst, besonders im formalen Französischen Garten. Dort kommt die Baumpflanzung über einem Grundrissraster in Quincunx-Anordnung vor. So stammt dieses Wegemuster denn auch aus der Planungszeit für den französischen Garten. Der Fünfstern wurde durch Hinzufügung einer Senkrechtachse zum Sechsstern. (s. Sechssternsymbolik)
  • Ein Grundrisstypus, z. B. bei byzantinischen Kreuzkuppelkirchen und in der sakralen Barockarchitektur bei Universitätskirchen, wobei die Anräume für die Fakultäten der Universitäten standen.
  • Ein grundlegender Designtyp bei Intarsienarbeiten.
  • Als Kreuzform, mit Armen verbunden, nennt man es Kolbenkreuz und es ist eine gebräuchliche Form romanischer oder gotischer Altar- und Votivkreuze, auch später im christlichen Formenschatz weit verbreitet.
  • Die Grundform für den Fünfzackstern (Pentagramm) steht für die Alchemie oder auch die Zauberei. Indem dieser Stern durch das Feuer oder das Licht und die Durchleuchtung der Aufklärung erschlossen wird, steht sie für die Bagnosymbolik „durch Dunkelheit zum Licht“.

In der dunklen Allee kommt die Bedeutung natürlich und ausdrucksvoll zur Geltung. Es ist die Verbindung aus der Dunkelheit (Ursprung ist der Dianahain) durch die Große Allee und das Schloß (der Graf als der Förderer dieser Metamorphose) zur Hohen Schlule durch Studium und Wissen zur Weisheit. Das Licht überwindet die Schatten des Aberglaubens = Aufklärung.  In seinem Schulerlass von 1792 äußert sich Graf Ludwig wie folgt dazu:

Zit: „ … wir haben die feste Hoffnung , dass in wenigen Jahren das Licht der Aufklärung und (die) Erkenntnis der Liebe zu Gott und den Nächsten aus den dunklen Wolken der bisherigen Finsternis und Dummheit hervor strahlen und der Segen in reichem Maße von dem Thron unseren gnädigen Gottes auf unsere lieben und getreuen Untertanen herab strömen werde.“

Wir gelangen hier zum 1. Eingang des Bagnos.

EntreeDuBagnoAbb.: Der Eingang zum Bagno mit einer Schildwache links und dem dorischen Pavillon „Alpen“ im Hintergrund.

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2 Gedanken zu „dunkle Allee, mit Quincunx und Wildgehege

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