Die Marmormühle und die zwei Farbenhäuser

Die zahlreichen Bagno-Attraktionen verlangten viel Aufwand an Wartung und Pflege. z:B. an den besucherfreien Tagen waren die Bediensteten des Grafen (und dazu gehörten auch die Grenadiere) nicht nur mit der Wegereinigung und Tierfütterung beschäftigt, sondern hatten ganzjährig die farbigen Flächen aufzufrischen.

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Nein, das ist kein Farbenhaus, das ist ein farbiges Haus, welches steter Pflege bedurfte!
z.B. der Pavillon „Alpen“

Dieses geschah mit selbst angefertigten Farben. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte man nur die aus Erdpigmenten gewonnenen Naturfarben, die an Leuchtkraft und Haltbarkeit zu wünschen übrig liessen. Die „Bagno-Attraktionen“ mußten häufig neu gestrichen werden, besonders nach starkem Regen. Dafür gab es am Seeufer zwei Farbenhäuser. Eines hatte eine Marmormühle um die Grundstoffe herzustellen. Weitere Bestandteile der Farben waren Kasein und Eiweiß als Bindemittel was man ja aus der Landwirtschaft reichlich hatte.

Bis zur industriellen Produktion moderner Farben und Lacke war Burgsteinfurt das Zentrum Nordeutscher Erdfarben. Für den Bagno wurden teure Pigmente aus Paris mitgegbracht mit Ursprüngen z.B.  in Afghanistan und Ägypten (Lapis Lazuli). Man produzierte jedenfalls reichlich, um davon noch etwas abgeben zu können. Die meistverwendeten Farben waren ein dunkles Pink (mit Eisenoxyd) und ein blaugrün (mit Grünspan).

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Das Kamel. Figur bemalt mit Erdfarben auf Kreidegrund

Diese Figur  mit den Originalfarben aus dem Bagno kann im Stadtmuseum besichtigt werden. Ich vermute, daß die Figur zur Innenausstattung des gotischen Speisesaals gehörte. Ein Zertifikat über die chemische Untersuchung bestätigte die Annahme, daß es Farben auf Kreidegrund natürlicher Herkunft waren. Es ist übrigens auch der Sohn eines Steinfurters gewesen, der wesentlich zur Entwicklung moderner Farben und Lacke beitrug. Es war August-Wilhelm Hofmann, Mitarbeiter von Justus v. Liebig in Gießen und Entwickler der Anilinfarben. Er war der Sohn des Wormser Architekten Joh. Phil. Hofmann, welcher u.a. die Bebauung auf der Ruineninsel realisiert hat. Er baute 1839/40 auch das Laboratoriumsgebäude für Liebig in Giessen.

FarbenhäuserPreisfrage: Warum gab es zwei Farbenhäuser?
Richtig, damit man die Pötte nicht ständig um den See herumtragen musste.

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Döhmann40

Quellennachweis

Der Tipp:
Erdfarben einmal selber machen

Schon in der Steinzeit wurden Erdfarben benutzt um sich damit im Felsen zu verewigen. Die Farbenvariation hängt natürlich immer davon ab, was die Erde der Umgebung bietet. Grelle Rot- und Blautöne wird man aus dem Boden nicht gewinnen. Dafür aber viele schöne Gelb-, Grau -und Brauntöne

Das braucht man um mit Erdfarben zu expermentieren:
Becher und Gläser
Kaffeesiebe und alte Zahnbürsten
Spachtel und Hammer
Löfel, Gabel, Stäbchen
Strümpfe
Joghurt, Speiseöl
Weissleim (Binder)
Verschiedene Pinsel
Papier
Zeitungen zum Abdecken
Einen großen, flachen Stein
und einen Mörser

Und so wird’s gemacht:
1. Sammle Steine, Asche, Gips, Kreide, verschiedene Erde, Sand, Ziegel usw. und trockne sie. Dies werden deine Farben.
2. Mahle dann die gesammelten Naturmaterialien mit einem flachen Stein oder mithilfe des Mörsers ganz fein und siebe sie
3. Mische nun aus den drei verschiedenen Grundstoffen den Binder:
Dickflüssigkeit: Milch, Quark, Joghurt oder Eiweiß
Elastizität: Speiseöl oder Leinöl
Härte: Mehl oder Weissleim
Wähle dabei von jedem Grundstoff eine Variante aus und verrühre die Masse gut.
4. Füge nun dem Binder so viel Farbpulver zu bis eine zähflüssige Masse entsteht. Wenn die Masse zu zähflüssig ist, kannst du mit Wasser den Brei wieder verdünnen.
5. Verreibe nun die Farbe zum Beispiel auf einer Glasplatte oder in einem Mörser ganz fein und siebe sie dann durch einen Nylonstrumpf 6. Mische je nach Verwendungsart noch Farben bei. Mit Joghurt kannst du sie aufhellen, mit Wasser verdünnen
7. Und schon kann man mit dem malen loslegen. Nimm am besten festes, saugfähiges Papier oder streiche eine Holztür damit an..

Tipp:
Das Farbpulver kann man auch in einem gut verschlossenen Behälter wie einem Glas aufbewahren. Mische nicht zuviel Öl in den Binder, sonst gibt es Fettflecken auf dem Papier. Einen Eierkarton kannst du als Malkasten benutzen!

© für o.a. Beitrag

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Quellennachweis

 

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4 Gedanken zu „Die Marmormühle und die zwei Farbenhäuser

  1. Norbert Schröder

    Auch das Drumherum – der Hinweis auf das Deneken und die Möglichkeiten der damaligen Zeit – einfach toll. Im Museum sage ich den Leuten immer, dass das Bagno der damaligen Zeit mit dem Phantasialand von heute verglichen werden kann, ohne dass man damit den heutigen Kommerz im Blickpunkt hatte.

    Gruß Norbert

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  2. frank

    Nette Seite , man sollte den Bagno in alter Pracht wieder herstellen , das wäre eine Bereicherung für dass langweilig gewordene Steinfurt. ;O)

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    1. Ihr Begleiter Beitragsautor

      „In alter Pracht“ wird er wohl nie wieder erstehen. Ein Denkmal ist ja immer ein Zeichen in der Wahrnehmung seiner Zeit. Wenn es aber niemand als „denkwürdig“ erachtet dann bleibt das nur ein „begehbarer Busch“, oder wie bei der letzten „Bearbeitung“ ein verhuschter Re-make geltungssüchtiger Architekten.

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