Ein Burgsteinfurter Komponist und Gambenvirtuose

Beantworten Sie die Eine – Million Euro – Frage bei „Wer wird Millionär“:

Wer war der letzte Gambist?

.

Manch ein Musikfreund würde hier wohl, wie man übrigens auch häufig nachlesen kann, Carl Friedrich Abel (1723-1787) nennen, doch das ist leider nicht richtig. Der letzte Gambist war – ganze dreißig Jahre später-

Franz Xaver Hammer (1741-1817)

Nicht zufällig weisen seine Sonaten eine stilistische Nähe zu Haydn auf, denn unter dessen Leitung war er sieben Jahre in der Esterhazyschen Kapelle als Cellist angestellt, bis er sich einen Fehltritt erlaubte und nach Burgsteinfurt „versetzt“ wurde. Später war er zeitweise als reisender Cello- und Gambenvirtuose konzertierend tätig.  In Statur, Größe und Charakter erinnerte er stark an Georg Friedrich Händel, dessen Zeitgenosse er war. Wußten Sie, daß er im Burgsteinfurter Schloßorchester mitwirkte und in der Konzertgalerie wahrscheinlich zwei seiner Werke zur Uraufführung kamen?

Franz Xaver Hammer, genannt Marteau (* 1741 in Oettingen; † 11. Oktober 1817 in Ludwigslust) war ein deutscher Gambist, Violoncellist und Komponist.

Er war unter Joseph Haydn als Cellist an der Esterházyschen Hofkapelle in Eisenstadt und auf Schloss Esterháza tätig. Vermutlich komponierte Haydn drei seiner Konzerte für Cello und Orchester für ihn. Hammers hohes Anfangsgehalt von 100 Dukaten und 30 Kreuzern wurde noch mehrere Male erhöht, was auf seinen außerordentlichen Ruf als Instrumentalist schließen lässt.

Auch dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, dass der Fürst selbst Cello spielte. Hammer galt als einer der bedeutendsten Gamben- und Cellovirtuosen seiner Zeit und komponierte vor allem für dieses Instrument während seines Aufenthalts in Burgsteinfurt von 1784 bis 1785 in der Schlosskapelle des Grafen Ludwig von Bentheim-Steinfurt. (Maria von Plettenberg vom Schloß Nordkirchen war verheiratet mit Esterházy, insofern gab es Beziehungen. Erst 1834 bekam Schloß Nordkirchen einen Englischen Garten nach Steinfurter Vorbild. ) Hammer war Freimaurer und Mitgründer der Burgsteinfurter Loge Ludwig zum Flammenden Stern. Ein Besuch 1784 in der Prager Loge „zu den gekrönten Säulen“ als Mitglied der Steinfurter Vereinigung „Zu den fünf flammenden Sternen“ ist im Prager Protokollbuch dokumentiert.

Franz Xaver Hammer gilt neben Carl Friedrich Abel (1723-1787) als der wirklich letzte Komponist und Meister für die Viola da Gamba.

Im Konzert der Wiener Uraufführung von Haydns Oratorium Il ritorno di Tobia Hob XXI:2 (1775) spielte Hammer ein eigenes Cellokonzert. 1776 bis 1813 gehörte er der Wiener Tonkünstler-Societät an.

Nach seinem Engagement für die Esterházy wurde Hammer bei einem Gehalt von 800 Gulden Musiker der Kapelle des Kardinals Joseph Graf Batthyány in Pressburg. Dort trat er auch als Solist seiner eigenen Werke in öffentlichen Konzerten auf. Nach seiner Zeit in Burgsteinfurt  wurde er bei einem Sold von 500 Reichstalern. in die Kapelle des Großherzogs Friedrich Franz I. am Mecklenburg-Schwerinschen Hof zu Ludwigslust aufgenommen. Wie im Dienst der Esterházy, war er als Virtuose angesehen. Er trat häufig als Solist bei Hofkonzerten auf. Konzertreisen führten ihn u. a. nach Prag (s.o.) und an den brandenburgischen Hof nach Berlin. Hammer galt als einer der bedeutendsten Gamben- und Cellovirtuosen seiner Zeit. 1813 schied er aus der Hofkapelle aus.

Von Hammer sind Sonaten für Viola da gamba, Viola d’amore und Violoncello mit Generalbass erhalten, daneben auch in handschriftlichen Sammlungen Übungsstücke und Solokonzerte für Violoncello oder Gambe und Orchester.

Das ausgehende 18. Jahrhundert ist die Zeit der letzten großen Gambenvirtuosen. J. W. Goethe erwähnt in Dichtung und Wahrheit (2. Teil, 8. Buch) Abel als den „letzten Musiker, welcher die Gambe mit Glück und Beifall behandelte“. Mit den großen Solisten der Gamben-Spielkunst, ging eine Ära zu Ende. Der intime und zart-zerbrechliche Klang musste dem strahlenden Tönen von Geige, Bratsche und Cello weichen.

Die Hintergrundmusik ist von der Audio-CD Simone Ecker / Hamburger Ratsmusik The Last Gambist – Sonatas For Viola Da Gamba hammer

Rundgang fortsetzen. und zurück zur -> Konzertgalerie

Lesen Sie auch: -> Jacob Courtain der beste Orgelbauer Nordwestdeutschlands lebte in Burgsteinfurt

Weiter mit:www-clipart-kiste-de_enter_014 <- ZURÜCK

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.