Archiv der Kategorie: kleine BAGNOFÜHRUNG

Die Bagno Eingänge

In den großen Rokkokogärten gegen Ende des 18. jahrhunderts waren, wie schon in den französischen Gärten, Figuren aus verschiedenen Mythologien aufgestellt und immer zwingender Bestandteil jeder Gartengestaltung. Als die drei Figuren zum Eingang des Bosquets sind drei Statuen dargestellt. Ich vermute, daß es drei Eingänge, bzw. Zuwegungen zum Bagno gab, die von jeweils einer Figur „bewacht“ wurden. Bosquet ist nämlich auch die Umschreibung für „Wäldchen“ allgemein. Schaut man genau hin, stellt man im Hintergrund jeder Darstellung je zwei bekannte Szenen fest nach denen sich die „Eingänge“ leicht verorten lassen und der vermutliche Aufstellungsort bestimmen lässt. 3EingängeVlnr: Eingang 1 zwischen Konzertgalerie und Cupido Eingang 2 an der alten Wache, Eingang 3 Zwischen Chinesischen Salon und Voliere


Bagnoeingang3Der Eingang 1 scheint zwischen der Konzertgalerie und dem (früheren) Standort des Cupido gelegen zu haben. Etwa am Ende des Weges, der an der Bagnoküche beginnt. Er wurde viel von den Beschickern und Besuchern des Platzes der Spiele genutzt und ist der Eingang zum sogenannten „Lustwäldchen“ (das hieß wirklich so, und war natürlich zum „Lustwandeln“, also der Erholung an frischer Luft gedacht und sonst zu nichts anderem.)
Bagnoeingang1cupido1200Zu sehen sind im Hintergrund die Konzertgalerie und die Statue des Cupido. Ich vermute eine Darstellung der griechischen Göttin Persephone einer Tochter von Zeus und dessen Schwester Demeter. Diese Figur erscheint immer in einer etwas verschämten Haltung dargestellt. Sie verbrachte eine herrliche und unbeschwerte Kindheit mit den Nymphen (die sich der Sage nach auch am Süßen Brünnchen aufgehalten haben sollen)  Tanzend und singend sprang sie über die Wiesen und spielte mit diesen lieblichen Wesen, Cousinen und Halbschwestern. Sie ist die Göttin der Vegetation und Fruchtbarkeit. Seit ihrer Vermählung mit Hades ist sie auch Herrscherin in der Unterwelt. (zu verorten unter der Ruineninsel)  Ihr Aussehen passt sie den jeweiligen Jahreszeiten an. Im Sommer ist ihr Haar hellblond im Winter tief schwarz. In der griechischen Mythologie wird Persephone als fröhliche Göttin mit Kornähren und als ernste Göttin mit einem Granatapfel gezeigt. Im Bagno steht sie dadurch in Beziehung zu Diana und verleiht dem Park die verschiedenen Stimmungen und Farben der jeweiligen Jahreszeit. Eine ganz personale Semiotik in Bezug auf die Verheiratung der ältesten Tochter mit dem Grafen. v. Solms, in der Bagnokapelle 1802 ist nicht auszuschließen. Der Besuch eines Initiationsgartens soll ja auch auf  eine innere Veränderung vorbereiten.

Gardehaus

Eingang 2 ist der, neben der alten Wache etwa in Höhe des heutigen Verkaufsstandes. Im Hintergrund kann man nämlich links die Rotunde und rechts die Einsiedelei erkennen. Die Figur steht gleich nach dem Haus des Parkaufsehers rechts vor der Abbiegung am Wegesende und hält in seiner erhobenen Hand einen Geldbeutel und in der anderen einen Stab.
Es ist der Götterbote Hermes. In der griechischen Mythologie ist er der Schutzgott der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, andererseits auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst und der Magie. Eingang2NeueWacheAls Götterbote verkündet er die Beschlüsse des Zeus und führt die Seelen der Verstorbenen in den Hades (z.B. in die Unterwelt der Ruineninsel). Er gehört zu den zwölf großen Olympischen Göttern. Er steht völlig richtig an diesem Ort, da die Linie, verlängert über die im See befindliche Insel auf seinen Tempel deutet. Mercurius ist nämlich sein Name in der römischen Götterwelt. In der Philosophie der Antike wurde Hermes mit dem Logos identifiziert und als die von den Göttern gesandte menschliche Vernunft gedeutet. Als Gott der Wissenschaften ist Hermes eng mit der Chemie und besonders der Alchemie verbunden. Ein Gefäß so abzuschließen, dass nichts hinein oder heraus kann, nannten die Alchemisten es „mit dem Siegel des Hermes“ [cum sigillo hermetis] verschließen, woher das heutige Wort hermetisch stammt. Durch die Alchemie wird Hermes in die Nähe der Zauberkunst (siehe Fünfstern in der dunklen Achse) gerückt. Da seine Botschaften und Künste immer nur dem einen echten Nutzen bringen, der sie wirklich versteht, verkörpert er mithin die Aufforderung zur Bildung und damit auch wieder das Bagno-Tthema `aus der Magischen Vorstellungswelt in die aufgeklärte Wissenschaftswelt aufzubrechen`, ein Schritt, zu dem der Einsiedler in seiner Eremitage zum Nachsinnen einläd. Übrigens bedeutet diese Konstellation einer Achse über eine Insel und den See hinaus, immer soviel wie „ausreichend Geld und Wohlstand heute und in einer fernen Zukunft“ was richtig genutzt, so eine Entscheidung ja auch zur Folge haben kann.

Eingang3Der 3. Eingang muß wohl ziemlich genau auch dort gewesen sein, wo er heute noch ist. Nämlich inmitten dem Hain der Diana, und wo sich einst im Bagnoquadrat eine schöne Voliere fremdartiger Tiere befand. Ich vermute, die Figur ist die Nymphe Eurydike (griechisch Εὐρυδίκη, die durch ihre Beziehung mit Orpheus*) bekannt wurde.

Sie heiratete Orpheus nach seiner Rückkehr vom Argonautenzug. Als Aristaios eines Tages versuchte, sie zu vergewaltigen, floh sie vor ihm, trat dabei aber auf eine Schlange und starb. (Darum steht sie wohl auch so wackelig auf ihrem Sockel.)  🙂

MenagerieDie Voliere. (Im Vordergrund übrigens eine frühe Entwurfszeichnung für den SteinFURT-Brunnen auf dem Markt.)  ;-}

Dem magischen Klang seiner Leier vertrauend, folgte ihr Orpheus wehklagend in den Hades, das Totenreich der griechischen Mythologie. Man sagt sogar, der Fährmann Charon (hier gibt es einen Bezug zu Hermes) habe den Kahn verlassen, mit dem er die Toten über den Acheron zu führen pflegte, um Orpheus zu folgen. Selbst der Höllenhund Kerberos bellte nicht mehr, und alle Verdammten hatten für diese Zeit Ruhe von ihren Qualen: Ixion, Tityos, Sisyphos, Tantalos und die Töchter des Danaos. Auch Persephone war gerührt, und erlaubte Orpheus, Eurydike wieder mit sich hinaufzuführen, wobei er sie dabei allerdings nicht anschauen durfte. Als er es doch tat, wurde sie ihm von Hermes, dem Götterboten und Seelengeleiter, endgültig entrissen. Neben Arion war im Bagno auch Orpheus*) mit Eurydike in der Nähe der Konzertgalerie zu vermuten. Mit Eurydike ergibt sich auch wieder ein Bezug zu Hermes (der zweiten Figur) und zu den Bildern des Hades (zum Fährmann Charon und zur Unterwelt der Ruineninsel) (der Sänger mit der Leier, war eine ähnliche Figur wie Arion. Beide hatten sich der Musik verschrieben.) Alle Figuren zusammen bedeuten die Harmonie zwischen Musik, Natur und Wohlstand.

Die schöne Voliere fremdartiger Tiere „Les Menagerie des animaux etrangers“ war sehr beliebt wegen dem Äffchen auf der Spitze. Ob das nun eine Darstellung aus Blech war, oder lebendig und dem Parkaufseher gehörte, ist mir unbekannt.

Mono

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Das neue Gartenideal

Wiese17Gegen Ende des 19. Jahrhunders trat ein neues Gartenideal in den Vordergrund. Es war die aktive Landschaftsgestaltung nach englischem Vorbild. Die Malerei versuchte bis dahin die Natur so genau als möglich darzustellen wie man es z.B. auf zeitgenössischen englischen Landschaftsbildern betrachten kann. Dem gegenüber versuchten französischer Gartendie Landschaftsgärtner nun eine Idee, ein Gefühl oder eine bestimmte Aussage oder Wirkung in ein Landschaftsbild dergestalt umzusetzen, daß die Künstlichkeit nicht auffiel und zur Ikonografie und zum persönlichen Konzept des Gartenbesitzers wurde. Zum Bagnokonzept, zu dem später noch mehr erklärt werden soll, entstanden beeindruckende Sicht- und Wirkachsen entsprechend der Semiotik des Gartenthemas. Sie gehörte in Grundzügen schon zum französischen Garten (1760-1780), noch ein Konzept, in dem alles geordnet und, aufgeräumt zu sein hatte und die Natur eine untergeordnetere Rolle spielte. Wie man auf einer Karte für den Bagno-Park sehen kann, war dieser geprägt durch 3 wesentliche Haupt-Achsen. Diese große Achse verbindet die Konzertgalerie über eine dunkle und helle Verbindung mit der Hohen Schule in der Stadt geradewegs Freitreppedurch Freitreppe und Schlossportal. Sie entspricht sinngemäß „mittels Schönheit des Geistes zur Weisheit durch Bildung,“ Die zweite Achse besteht zwischen der Hohen Schule und einem Radsymbol, die dritte Verbindung zwischen der dort wirkenden Kraft des Wassers als lebendigem Prinzip, und dem Bereich der schönen Künste, der Musik und der  Kunst und Kultur auf Höhe der Konzertgalerie. (Kulturelle Achse) Dort schließt sich das Dreieck.

Gehen Sie jetzt die große Allee entlang bis zum Anfang der dunklen Strecke. (Übrigens wurde bei der Neubepflanzung der Bäume links und rechts darauf geachtet, daß sie, wie ihre Vorgänger schon, eine unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeit besitzen und dadurch später einenbogenförmigen Laubengang ausbilden werden.) Am Ende dieser Bepflanzung, rechts mit dem Beginn (oder Ende) der Dunklen Verbindung befand sich gkeich am Eingang ein Wildfreigehege karteund bis gegenüber reichten die Gräflichen Gemüsebeete. (Eine 100%ge Wieder herstellung der Lageverhältnisse ist leider nicht genau möglich. Nach fast 250 Jahren, haben an den Wegeverläufen die Natur und die Menschen als Helfer kräftig gearbeitet und sie entsprechen einfach nicht mehr dem ursprünglichen Verlauf. )

Mit dem farbigen „Enterbutton“ kommen Sie jetzt immer eine Station weiter auf Ihrem Rundgang und können sich etwa in Höhe der Bagno-Gaststätte noch für einen Großen oder kleinen Rundgang entscheiden.

Also nochmals herzlich willkommen im Steinfurter Bagno und Vorsicht Golfbälle, die gehören dem Golfclub Münsterland, auch wenn Sie von denen getroffen werden sollten.  😉

Falls Sie vielleicht zuvor noch etwas mehr über die Philosophie des Bagnos, die Entstehung des französischen Gartens oder einen geheimnisvollen Orden erfahren wollen, klicken Sie HIER und kommen danach auf diese Seite zurück.www-clipart-kiste-de_enter_014

Döhmann07

Quellennachweis

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Der Bootsanleger-Kiosk

Bootsanlegerquadrat
Das hier ist heute
der Verkaufskiosk!

chinBoot

Das Kubikulum steht ziemlich genau an der Stelle, an der nan immer schon den Bootsverleih betrieben hat. Es ist übrigens auch die Stelle, an der eine Fähre (chinesische Dschunke) zwischen dem chinesischen Pavillon gegenüber und dieser Anlegestelle fuhr. Bei Konzerten und anderen Feierlichkeiten befuhren bis zu 6 Fahrzeuge den See. Neben den Pontons waren dieses auch teils mit Verdeck ausgeführte kleine Boote, aber auch ein Schwan mit silbernen Flügeln als Tretboot.

Fähre

 

Die Fahrzeuge auf dem See waren zur „Illumination“ mit bunten Laternen geschmückt und die Schlosskapelle spielte mit einem Teil der Blöser auf der chinesischen Fähre und ein anderer Teil an Land, wie das z.B. bei Händels Wassermusik üblich war. Ob man sich dazu ein kleines Barockfeuerwerk leistete kann ich nicht belegen, ist aber anzunehmen.


Gehen Sie jetzt gleich rechts über die Brücke in Richtung Konzertgalerie. Auf dem linken Rasenstück steht eine Tafel zum gotischen Speisesaal. Gehen Sie nach der Brücke links bis zum ehemaligen Standort der Moschee .www-clipart-kiste-de_enter_014

Der Herrensee auf dem Buchenberg

Foto: Rainer Nix

Der Herrensee auf dem Buchenberg ist ist ein bisher noch ungeschütztes „Weltkulturerbe“ *). Der See bezieht sein Wasser aus zwei oberhalb gelegenen Quellen vom Hollicher Esch über Sammelkanäle aus einem bisher noch nicht beschriebenen Kanalsystem im umliegenden Gipfelgebiet rechts und links vom See. Die Kanäle sind besonders zur Bärlauchblüte, wie auf der obigen Darstellung zu sehen, sehr gut zu erkennen und  durchschneiden die Kuppe des Buchenberges bis auf Oberflächenniveau des Herrensees. Sie vergrößern so seine Oberfläche um ein Mehrfaches.

Herrenteich

Die Aufgabe des Herrensees bestand darin, die Anlagen im barocken Teil des Bagnos mit Wasser zu versorgen. Die Anlage war ähnlich wie im Konzept vom Kasseler Bergpark angelegt worden.  Als Baubeginn für die Anlagen des Herrenteiches muß 1773 angenommen werden, da die Fertigstellung zwingende Vorraussetzung für den Bau der Konzertgalerie war. Die Seefläche alleine füllt sich nicht nur vom Regen der darüber niedergeht. Es gibt links und rechts ein extra angelegtes Grabensystem, welches das Regen-, bzw. Oberflächenwasser  dem See zuführt.  An der Stelle, an der der Weg den Bachlauf quert, ist der rechte Zulauf verrohrt und mit einem Wehr regelbar.

Kanäle

Abb.: Festgestellte, bzw. vermutete weitere Gräben

Einige Gräben wurden von mir zwar gefunden, oder werden an den gezeichneten Stellen vermutet, müßten aber noch vermessen und genauer dokumentiert werden. Dort wo sie eindeutig festgestellt werden konnten, sind es teils tiefe Einschnitte bis auf Seeniveau.

Man erreicht den Herrensee, wenn man in Höhe des Parkplatzes vom Lauftreff sich bis auf die Höhe der letzten Gebäude des Hofes Schulze Spenneberg begibt. Vor einem Bach, der rechts aus dem Wäldchen kommt, geht ein Pfad links und parallel zum Bach bis zum Ufer des Herrensees. Links und rechts unten vom See münden die Kanäle, die ihn mit Oberflächenwasser füllen. Rechts gibt es am Feldrain noch zwei Quellen.

Auf der gegenüber liegenden Seeseite sieht man die Reste einer Dammkonstruktion mit eisernen Klammern. Der Damm wurde in Letzter Zeit öfter abgedichtet, verliert aber immer mehr Wasser durch Sickerkanäle in das darunter liegende Gelände. Das am linken Ende liegende, als „Wasser-Überlauf“ bezeichnete Rohrstück ist in Wirklichkeit auch ein Zulauf aus den darüber einspeisenden Sammelkanälen. Herrensee
Das Besondere an der Burgsteinfurter Anlage dieses Speichersees ist, daß man vor 250 Jahren das Kunststück fertiggebracht hat auf einer Bergkuppe, der fast höchsten Stelle des Buchenberges, einen künstlichen See mit einem Fassungsvermögen von 2100m² anzulegen. Dazu mußte ein Damm konstruiert werden, damit der Seeinhalt nicht 15m hinabstürzt. Dieser Damm und die dazugehörige Entnahmetechnik sind nunmehr fast 250 Jahre funktionstüchtig geblieben. Sie haben die Anlagen des Bagno mit Wasser versorgt und auch noch über eine 1000m lange Leitung den Brunnen in der Vorburg vom Schloß gespeist.

Die in der Bohrmühle des Fontaineers angefertigten hölzernen Rohrleitungen führten nach den Ablass-Schiebern und einem Syphon-System ca. 800m bis zur Konzertgalerie. Dort speisten die Leitungen Sammelkästen für die Grotte und den Neptunsbrunnen. Ein Abzweiger verlief zum chinesischen Teich und von dort weitere 1000m zum Schloß, welches bis zum Jahre 1908 vom Reservoir auf dem Buchenberg versorgt wurde und erst danach an die städtische Wasserversorgung angeschlossen wurde.

Bis 1958 sprudelte die kleine chinesische Fontaine noch und hätte es bei guter Pflege auch noch ganztägig auf 14m Strahlhöhe gebracht. Die Anlagen sind alle leider der Innovationswut von Architekten zum Opfer gefallen, die jegliche  „historischen Zitate“ als das Ende ihrer beruflichen Selbstdarstellungsmöglichkeit empfinden und daher ablehnen.

Darauf war man dann auch noch besonders stolz und schrieb auf ein Banner am Parkeingang: „… keine historische Zitate!“ Leider gibt es bis heute keine Lagepläne über den Verlauf des Rohrsystems. Noch 1967 hatte man ein beim Strassenbau beschädigtes Teilstück durch ein Plastikrohr ersetzt. Eine Ausweisung als (Boden-) Denkmal wurde bisher nicht für nötig gehalten. Der See auf dem Buchenberg brachte es an seiner tiefsten Stelle auf 1,90m Tiefe. Heute ist alles verschlammt und nur bei Höchstständen dürften 1,50m erreicht werden. Bei Niedrigwasser gibt der See übrigens ein kleines Geheimnis preis. Es sind dieses die schon von Lübbers erwähnten grünseidenen Muscheln, die 1802 in Amsterdam für die Sala Terra an der großen Fontaine bestellt worden waren.  Leider werden die Fundstücke immer wieder von unwissenden Findern entnommen und unsachgemäß geöffnet. Dadurch gehen sie für eine Reparatur der Muschelgrotte in der Konzertgalerie natürlich verloren.

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 *) Das mit dem Weltkulturerbe ist zwar noch nicht beantragt, sollte man aber überlegen. Der Aschensee in Kassel ist genau wegen der genialen Sammelkanäle in das Verzeichnis aufgenommen worden.

 

Der kleine Bagnorundgang

Herzlich willkommen. Tür ganz Eilige oder  Gehbehinderte, habe ich einen kleinen Rundgang zusammengestellt.

Sie waren bis jetzt vielleicht noch in der Bagnogaststätte und haben Interesse daran, etwas mehr zu erfahren. Dann sehen Sie sich einmal um und Sie werden einen grüßen quadratischen Platz ausmachen können und rechts einen Weg, der in ein etwas dunkles Waldstück führt. Es ist dieses die …

Ab hier geht es immer WEITER mit diesem kleinen Enter

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chinesische Brücke im Dianahain

chinesische Brücke Abb; chinesische Brücke im Dianahain Wir sind also von der Moschee (rechts) zur chinesischen Brücke gegangen, auf der wir jetzt stehen. Noch vor wenigen Jahrzehnten sah es so aus.

c r.wiese repro Lübbers Abb: Die Reste waren noch im letzten Jahrhundert zu sehen

Man kann es kaum glauben daß es hier  vor 200 Jahren so ausgesehen hat. Wir stehen hier nämlich auf der Brücke inmitten einer Spa-und Badelandschaft. Links vor Ihnen stand die Statue der Diana, welche in diesem Teil des Bagnos ihre symbolische Bedeutung als (Erd)-Muttergottheit hatte. Sie versorgt uns mit Essen und Trinken, Wild und frischem Wasser auch für das körperliche Wohlbefinden. z.B. mit einem erfrischenden Aufenthalt in der Grotte, (in der die Wasseroberfläche in der Sonne blau flimmerte.)

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© flickr 120428503@N04/13914837324cc Könnte ja auch mal so aussehen, oder?

Süsses Brünnchen


Das Süße Brünnchen, ist die Quelle des Bagnosees. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Parkplatz. – Wir sehen hier die Reste einer Grottenanlage. Eigentlich aber garnichts mehr, da zur Erhaltung (entgegen den Denkmalschutzregeln), seit der „Unterschutzstellung“ zum Erhalt nichts unternommen wurde, oder sage ich besser: unternommen werden wollte, oder konnte?

© r.wiese nach einer Repro v. W.Lübbers Abb.: Der „Klapperstorch“ holt sich die nächste „Lieferung“.

Den Namen erhielt die Bagnoquelle, weil früher kinderlose Paare dachten, sie könnten den Klapperstorch bestechen, wenn sie ihm Zuckerstückchen oder Geld ins Brünnchen warfen.

1798 wird das „Süße Brünnchen“ erstmals als Quelle des Bagnosees beschrieben. Sie bestand in der Ansicht aus drei Bögen. Noch um das Jahr 1900 war die Grotte vollständig erhalten. Solche Grotten sind in Erlebnisbädern heute wieder groß in Mode. In den folgenden Jahren führte allerdings starker Baumbewuchs in unmittelbarer Nähe der Grotte zu einem schnell fortschreitenden Verfall, der in den letzten Jahren zum völligen Verschwinden des bemerkenswerten Bauwerks geführt hat.  Nur eine Mulde im Gelände und einige größere Steine des Fundamentes erinnern an den Standort der heute noch fließenden Quelle mit seiner Grotte.www-clipart-kiste-de_enter_014

Die Moschee


Mosc

Merhaba und السلام عليكم as-salāmu ‚alaikum

Hier stand von 1783 bis 1828 eine kleine, sehr schöne und farbenprächtige Moschee. Sie wurde nur zu dem einen Zweck konstruiert: „um symbolisch Frieden und Ausgleich zu vermitteln.“

Das Wort Islām (islām / إسلام ) leitet sich von dem arabischen Verb aslama („sich ergeben, sich hingeben“) ab und bedeutet soviel wie „Hingabe (an Gott)“. Ein Muslim ist also „derjenige, der sich (Gott) hingibt“. Im deutschsprachigen Raum sagen wir auch Moslem dazu.

Der deutsche Dichter Johann Wolfgang. v. Goethe schrieb passend zu diesem Ort folgende Verse:

*
Gott
schützte dich
und schützt den Ort:

Wenn das eingegrabne Wort
Allahs Namen rein verkündet .
**
Gottes ist der Orient!

Gottes ist der Occident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände !
**
Er, der einzige Gerechte,

Will für jedermann das Rechte.
Sei von seinen hundert Namen
Dieser hochgelobet!
**

Amen


Bei einer Breite von 9,40m gehörte die Moschee zu den kleineren Gebäuden im Park und ist einem ähnlichen Bau im Londoner Eastpark nachempfunden. Innen war sie mit Arabesken und Sinnsprüchen geschmückt. Ehrlicherweise muß man aber auch sagen, daß es der Reiz für das Exotisch- und Fremdartige war, wenn sich Besucher für die Moschee interessierten. Die Leute in dieser Region und der damaligen Zeit konnten noch nicht einfach andere Kulturen besuchen um sie kennen zu lernen. Es gab ja auch noch keine muslimische Gemeinde hier.

sechsStern

runder Stein mit Sechsstern gefunden in der Nöhe der ehem. Moschee

Und so brauchte man den Innenraum auch dafür, um z.B. sein Reisegepäck sicher abzustellen. So stand dann auch auf der gegenüberliegenden Gewässer-Seite ein „Türkisches Haus“, jedenfalls eine Behausung, so wie man sie sich im Orient vorkommend vorstellte.
In der Nähe zur Moschee wurde ein Relikt mit einer Sechs-Stern-Symbolik gefunden umd lagert im Depot des Stadtmuseums. Es ist wahrscheinlich der Schluß-Stein aus der Kuppel der Moschee. Die Fenster sprechen die gleiche Formensprache. Die Sechs steht für Gleichgewicht und Harmonie – auch des göttlichen und weltlichen Prinzips – bekannt durch die Verbindung zweier Dreiecke. *)

Hier im Bild ist die sechsSternSechszahl als ein harmonischer Stern dargestellt. Nach der Zahlenmystik ist die Sechs die Zahl der Schönheit, der Schöpfung und die Zahl des Universums, denn zu den vier Himmels-Richtungen kommt noch oben und unten hinzu. Im Islam ist dies ein Name Allahs: „al-Wāsi“ der Weite, der alles Umfassende und steht für alle Richtungen in die der Koran verkündet wird.
*)  Der Sechsstern hat nichts mit einem Judenstern zu tun, da das Symbol älter ist als der heute schwelende Konflikt!!
Mehr ist jetzt zu diesem Ort wohl nicht zu sagen und wir  begeben uns nun bis zu der Stelle, wo sich eine typisch chinesische Brücke über den Zulauf zum Bagnosee spannte. Weiter mit:

Zum süßen Brünnchen.

 

August Wilhelm (von) Hofmann

Die neue Farbigkeit

Fam. HofmannGießen

Aug. Wilhelm, Vater Johann,  und  Friedrich Hofmann aus Gießen

August Wilhelm (von) Hofmann ( mit einem „F„! ) (* 8. April 1818 in Gießen; † 5. Mai 1892 in Berlin) war ein deutscher Chemiker. Von Hofmann ist der Wegbereiter für die Erforschung der Anilinfarbstoffe in England und Deutschland gewesen. Er hat eine Vielzahl wichtiger Umwandlungs-methoden in der organischen Chemie entwickelt und die Deutsche Chemische Gesellschaft gegründet.  Sein Vater war der Gießener Architekt Joh. Phil. Hofmann. Er hat u.a. die Bebauung auf der Ruineninsel im Steinfurter Bagno entworfen und das Laborgebäude für Justus von Liebig realisiert. Sein Bruder Friedrich Hofmann  war Leibarzt des Grafen. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte man nur die aus Erdpigmenten gewonnenen Naturfarben, die an Leuchtkraft und Haltbarkeit zu wünschen übrig liessen. Die „Bagno-Attraktionen“ mußten häufig neu gestrichen werden. Dafür gab es die zwei Farbenhäuser. Eines hatte eine Marmormühle um die Grunndstoffe herzustellen. Weitere Bestandteile waren Kasein und Eiweiß was man ja aus der Landwirtschaft reichlich hatte. Bis zur industriellen Produktion moderner Farben und Lacke war Burgsteinfurt das Zentrum Nordeutscher Erdfarben. Man produzierte jedenfallls reichlich um davon noch etwas abgeben zu können.
Zur Abb.: meistverwendete Farben waren ein dunkles Pink (aus Eisenoxyd) und ein blaugrün (aus Grünspan).

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dunkle Allee, mit Quincunx und Wildgehege


FreigehegeAbb.: Das Gehege, in dem die „Vorräte“ der Bagnoküche gehalten wurden.

Kommt man vom Schloß die Große Allee entlang, dann mündet diese in die Dunkle Allee. Wie alles, hat dieser Übergang wieder symbolische Bedeutung. „Aus der Dunkelheit ins Licht“, dieser Ruf findet sich überall wieder. Das erste Stück rechts war der Platz des Wildfreigeheges. Dort hielt man die verschiedensten Wild- und Haustierarten. Sie waren nicht nur der Anschauung wegen dort, sondern dienten auch der Bagnoküche als Vorratsbestand. Auf der anderen Seite, (heute nur noch eine kleine Waldlichtung) war ein großer Teil des gräflichen Gemüsegartens.

Auf dem weiteren Wege erwähnt Prof. Hirschfeld in seiner Bagnobeschreibung den Quincunx,  In neueren Beschreibungen wird dieses Wegemuster auch als Jagdstern beschrieben. Nur, wofür benötigt man in unmittelbarer Nähe zum Freigehege einen Stern zum Jagen? Das scheint mir eher der Phantasie einiger Jagdgenossen entsprungen zu sein. Das Quincunx-Muster ist eine in vielen Kulturen zu findende, intuitiv einfache Anordnung von fünf Punkten.  ⚄

Es findet in diverse philosophischen Betrachtungen Eingang:

  • In der Zahlensymbolik der Pythagoreer drückte es die besondere Bedeutung der Zahl Fünf aus. Diese findet sich auch in der Zahl der Inseln im Bagno-See wieder.
  • Es findet sich auch in der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre, wieder in einem auf das erste vorchristliche Jahrhundert zurückgehende `Buch der Urkunden` und symbolisiert ein Zentrum und vier Himmelsrichtungen.

Das Muster fand und findet in verschiedenen Bereichen Anwendung:

  • In der Gartenkunst, besonders im formalen Französischen Garten. Dort kommt die Baumpflanzung über einem Grundrissraster in Quincunx-Anordnung vor. So stammt dieses Wegemuster denn auch aus der Planungszeit für den französischen Garten. Der Fünfstern wurde durch Hinzufügung einer Senkrechtachse zum Sechsstern. (s. Sechssternsymbolik)
  • Ein Grundrisstypus, z. B. bei byzantinischen Kreuzkuppelkirchen und in der sakralen Barockarchitektur bei Universitätskirchen, wobei die Anräume für die Fakultäten der Universitäten standen.
  • Ein grundlegender Designtyp bei Intarsienarbeiten.
  • Als Kreuzform, mit Armen verbunden, nennt man es Kolbenkreuz und es ist eine gebräuchliche Form romanischer oder gotischer Altar- und Votivkreuze, auch später im christlichen Formenschatz weit verbreitet.
  • Die Grundform für den Fünfzackstern (Pentagramm) steht für die Alchemie oder auch die Zauberei. Indem dieser Stern durch das Feuer oder das Licht und die Durchleuchtung der Aufklärung erschlossen wird, steht sie für die Bagnosymbolik „durch Dunkelheit zum Licht“.

In der dunklen Allee kommt die Bedeutung natürlich und ausdrucksvoll zur Geltung. Es ist die Verbindung aus der Dunkelheit (Ursprung ist der Dianahain) durch die Große Allee und das Schloß (der Graf als der Förderer dieser Metamorphose) zur Hohen Schlule durch Studium und Wissen zur Weisheit. Das Licht überwindet die Schatten des Aberglaubens = Aufklärung.  In seinem Schulerlass von 1792 äußert sich Graf Ludwig wie folgt dazu:

Zit: „ … wir haben die feste Hoffnung , dass in wenigen Jahren das Licht der Aufklärung und (die) Erkenntnis der Liebe zu Gott und den Nächsten aus den dunklen Wolken der bisherigen Finsternis und Dummheit hervor strahlen und der Segen in reichem Maße von dem Thron unseren gnädigen Gottes auf unsere lieben und getreuen Untertanen herab strömen werde.“

Wir gelangen hier zum 1. Eingang des Bagnos.

EntreeDuBagnoAbb.: Der Eingang zum Bagno mit einer Schildwache links und dem dorischen Pavillon „Alpen“ im Hintergrund.

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