Archiv des Autors: Ihr Begleiter

Die Eremitage

Heremitage
Die Eremitage stand abseits etwa in Höhe des heutigen Verkaufskiosks.

Neben einem Glockenturm und einer Eule  als Symbol der Weisheit, der Illuminati und der Schlaraffen, schmückte sie über dem Eingang ein Sinnspruch.

Der „Weise“, eine hölzerne bemalte Figur, winkte dem „Wahrheitssucher“ zu, doch näher zu kommen und öffnete die Türe. Ausgelöst wurde der Mechanismus über Seile, die von einem Gewicht in Bewegung gesetzt wurden sobald man sich der Eremitage näherte.

Als ein anderer Standort war der Bereich „hinter dem großen Rade“ geplant, aber nicht mehr realisiert worden.


Im Orden des Übergangs erhielt der „von der Weisheit Gelockte“ die Gelegenheit seine Entwicklung bis zum „Weisen“ weiter zu gehen. Die Einsiedelei war aber auch in vielen anderen Gartenanlagen ein beliebtes Motiv jener Zeit. Die größte Eule (der Uhu) als Symbol der Weisheit, ist inzwischen wieder im Bagno heimisch geworden. Vielleicht ein symbolträchtiges Ereignis, welches hoffen läßt.

Stemmerter Zupfdohlen

Gestern war es wieder soweit. Florian Silbereisen rollte den roten Teppich aus – für die Stars des Jahres 2016, die durch besondere Erfolge, originelle Ideen oder neue Trends Maßstäbe gesetzt haben! Der Showmaster präsentierte in Berlin die „Schlagerchampions – Das große Fest der Besten“.

Auf der Gästeliste für das glanzvolle Schlager-Gipfeltreffen standen Andrea Berg, Roland Kaiser, Nana Mouskouri, Vanessa Mai, Maite Kelly, Alvaro Soler, Klubbb3 und viele andere. Jeder Auftritt hinterlegt mit einem Gestöber aus künstlichem Schnee und den unvermeidlichen Hupfdohlen, die offenbar jede Gesangsdarbietung mit zuckenden Verrenkungen begleiten mussten.

Als älterer Mensch kommt man sich ja schon völlig uncool vor, wenn man die flotten Schlagertexte nicht mit ebensolchen Bewegungen begleiten kann, es sei denn man hat Parkinson. Nein, es sind immer noch die selben alten Texte, nur dass Lilly Marlene jetzt anders heisst.

Eine ganz andere Art von Hupfdohlen bevölkert die Altstadt von Burgsteinfurt. Die brauchen keine Backgroundmusik von Maite Kelly oder Vanessa Mai. Das sind die Stemmerter Zupfdohlen. Die schwarzen Rabenvögel gibt es überall in der Altstadt.

Raben galten in früheren Zeiten als verwandelte Menschen, als Vögel der Weisheit und der weisen Voraussicht. Diese Eigenschaften bekamen sie durch ihre Nachahmungsgabe und durch ihren Drang, Nahrung zu verstecken, zugewiesen. Demnach scheint es nach wie vor auch aus der Anderswelt noch Interesse an unserer schönen Heimatstadt zu geben.

Die heutigen Vögel interesssieren sich, besonders zur Zeit des Nestbaus, für geeignete Polstermaterialien. Willkommene Zielobjekte sind Radwanderer im Münsterland, die den alten Markt und andere Sehenswürdigkeiten der Stemmerter Innenstadt besuchen. Besonders auf die flauschigen Fahrradsattelüberzüge haben es die Stemmerter Zupfdohlen abgesehen. Sobald man sein Rad unbeobachtet stehen läßt, machen sich die Rabenvögel darüber her und versorgen sich mit Nistmaterial. Kommt der Erholungsuchende Tourist zurück, weis er, was mit dem Wort „Stemmerter Zupfdohle“ gemeint ist.

Die Bagno Eingänge

In den großen Rokkokogärten gegen Ende des 18. jahrhunderts waren, wie schon in den französischen Gärten, Figuren aus verschiedenen Mythologien aufgestellt und immer zwingender Bestandteil jeder Gartengestaltung. Als die drei Figuren zum Eingang des Bosquets sind drei Statuen dargestellt. Ich vermute, daß es drei Eingänge, bzw. Zuwegungen zum Bagno gab, die von jeweils einer Figur „bewacht“ wurden. Bosquet ist nämlich auch die Umschreibung für „Wäldchen“ allgemein. Schaut man genau hin, stellt man im Hintergrund jeder Darstellung je zwei bekannte Szenen fest nach denen sich die „Eingänge“ leicht verorten lassen und der vermutliche Aufstellungsort bestimmen lässt. 3EingängeVlnr: Eingang 1 zwischen Konzertgalerie und Cupido Eingang 2 an der alten Wache, Eingang 3 Zwischen Chinesischen Salon und Voliere


Bagnoeingang3Der Eingang 1 scheint zwischen der Konzertgalerie und dem (früheren) Standort des Cupido gelegen zu haben. Etwa am Ende des Weges, der an der Bagnoküche beginnt. Er wurde viel von den Beschickern und Besuchern des Platzes der Spiele genutzt und ist der Eingang zum sogenannten „Lustwäldchen“ (das hieß wirklich so, und war natürlich zum „Lustwandeln“, also der Erholung an frischer Luft gedacht und sonst zu nichts anderem.)
Bagnoeingang1cupido1200Zu sehen sind im Hintergrund die Konzertgalerie und die Statue des Cupido. Ich vermute eine Darstellung der griechischen Göttin Persephone einer Tochter von Zeus und dessen Schwester Demeter. Diese Figur erscheint immer in einer etwas verschämten Haltung dargestellt. Sie verbrachte eine herrliche und unbeschwerte Kindheit mit den Nymphen (die sich der Sage nach auch am Süßen Brünnchen aufgehalten haben sollen)  Tanzend und singend sprang sie über die Wiesen und spielte mit diesen lieblichen Wesen, Cousinen und Halbschwestern. Sie ist die Göttin der Vegetation und Fruchtbarkeit. Seit ihrer Vermählung mit Hades ist sie auch Herrscherin in der Unterwelt. (zu verorten unter der Ruineninsel)  Ihr Aussehen passt sie den jeweiligen Jahreszeiten an. Im Sommer ist ihr Haar hellblond im Winter tief schwarz. In der griechischen Mythologie wird Persephone als fröhliche Göttin mit Kornähren und als ernste Göttin mit einem Granatapfel gezeigt. Im Bagno steht sie dadurch in Beziehung zu Diana und verleiht dem Park die verschiedenen Stimmungen und Farben der jeweiligen Jahreszeit. Eine ganz personale Semiotik in Bezug auf die Verheiratung der ältesten Tochter mit dem Grafen. v. Solms, in der Bagnokapelle 1802 ist nicht auszuschließen. Der Besuch eines Initiationsgartens soll ja auch auf  eine innere Veränderung vorbereiten.

Gardehaus

Eingang 2 ist der, neben der alten Wache etwa in Höhe des heutigen Verkaufsstandes. Im Hintergrund kann man nämlich links die Rotunde und rechts die Einsiedelei erkennen. Die Figur steht gleich nach dem Haus des Parkaufsehers rechts vor der Abbiegung am Wegesende und hält in seiner erhobenen Hand einen Geldbeutel und in der anderen einen Stab.
Es ist der Götterbote Hermes. In der griechischen Mythologie ist er der Schutzgott der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, andererseits auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst und der Magie. Eingang2NeueWacheAls Götterbote verkündet er die Beschlüsse des Zeus und führt die Seelen der Verstorbenen in den Hades (z.B. in die Unterwelt der Ruineninsel). Er gehört zu den zwölf großen Olympischen Göttern. Er steht völlig richtig an diesem Ort, da die Linie, verlängert über die im See befindliche Insel auf seinen Tempel deutet. Mercurius ist nämlich sein Name in der römischen Götterwelt. In der Philosophie der Antike wurde Hermes mit dem Logos identifiziert und als die von den Göttern gesandte menschliche Vernunft gedeutet. Als Gott der Wissenschaften ist Hermes eng mit der Chemie und besonders der Alchemie verbunden. Ein Gefäß so abzuschließen, dass nichts hinein oder heraus kann, nannten die Alchemisten es „mit dem Siegel des Hermes“ [cum sigillo hermetis] verschließen, woher das heutige Wort hermetisch stammt. Durch die Alchemie wird Hermes in die Nähe der Zauberkunst (siehe Fünfstern in der dunklen Achse) gerückt. Da seine Botschaften und Künste immer nur dem einen echten Nutzen bringen, der sie wirklich versteht, verkörpert er mithin die Aufforderung zur Bildung und damit auch wieder das Bagno-Tthema `aus der Magischen Vorstellungswelt in die aufgeklärte Wissenschaftswelt aufzubrechen`, ein Schritt, zu dem der Einsiedler in seiner Eremitage zum Nachsinnen einläd. Übrigens bedeutet diese Konstellation einer Achse über eine Insel und den See hinaus, immer soviel wie „ausreichend Geld und Wohlstand heute und in einer fernen Zukunft“ was richtig genutzt, so eine Entscheidung ja auch zur Folge haben kann.

Eingang3Der 3. Eingang muß wohl ziemlich genau auch dort gewesen sein, wo er heute noch ist. Nämlich inmitten dem Hain der Diana, und wo sich einst im Bagnoquadrat eine schöne Voliere fremdartiger Tiere befand. Ich vermute, die Figur ist die Nymphe Eurydike (griechisch Εὐρυδίκη, die durch ihre Beziehung mit Orpheus*) bekannt wurde.

Sie heiratete Orpheus nach seiner Rückkehr vom Argonautenzug. Als Aristaios eines Tages versuchte, sie zu vergewaltigen, floh sie vor ihm, trat dabei aber auf eine Schlange und starb. (Darum steht sie wohl auch so wackelig auf ihrem Sockel.)  🙂

MenagerieDie Voliere. (Im Vordergrund übrigens eine frühe Entwurfszeichnung für den SteinFURT-Brunnen auf dem Markt.)  ;-}

Dem magischen Klang seiner Leier vertrauend, folgte ihr Orpheus wehklagend in den Hades, das Totenreich der griechischen Mythologie. Man sagt sogar, der Fährmann Charon (hier gibt es einen Bezug zu Hermes) habe den Kahn verlassen, mit dem er die Toten über den Acheron zu führen pflegte, um Orpheus zu folgen. Selbst der Höllenhund Kerberos bellte nicht mehr, und alle Verdammten hatten für diese Zeit Ruhe von ihren Qualen: Ixion, Tityos, Sisyphos, Tantalos und die Töchter des Danaos. Auch Persephone war gerührt, und erlaubte Orpheus, Eurydike wieder mit sich hinaufzuführen, wobei er sie dabei allerdings nicht anschauen durfte. Als er es doch tat, wurde sie ihm von Hermes, dem Götterboten und Seelengeleiter, endgültig entrissen. Neben Arion war im Bagno auch Orpheus*) mit Eurydike in der Nähe der Konzertgalerie zu vermuten. Mit Eurydike ergibt sich auch wieder ein Bezug zu Hermes (der zweiten Figur) und zu den Bildern des Hades (zum Fährmann Charon und zur Unterwelt der Ruineninsel) (der Sänger mit der Leier, war eine ähnliche Figur wie Arion. Beide hatten sich der Musik verschrieben.) Alle Figuren zusammen bedeuten die Harmonie zwischen Musik, Natur und Wohlstand.

Die schöne Voliere fremdartiger Tiere „Les Menagerie des animaux etrangers“ war sehr beliebt wegen dem Äffchen auf der Spitze. Ob das nun eine Darstellung aus Blech war, oder lebendig und dem Parkaufseher gehörte, ist mir unbekannt.

Mono

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Das neue Gartenideal

Wiese17Gegen Ende des 19. Jahrhunders trat ein neues Gartenideal in den Vordergrund. Es war die aktive Landschaftsgestaltung nach englischem Vorbild. Die Malerei versuchte bis dahin die Natur so genau als möglich darzustellen wie man es z.B. auf zeitgenössischen englischen Landschaftsbildern betrachten kann. Dem gegenüber versuchten französischer Gartendie Landschaftsgärtner nun eine Idee, ein Gefühl oder eine bestimmte Aussage oder Wirkung in ein Landschaftsbild dergestalt umzusetzen, daß die Künstlichkeit nicht auffiel und zur Ikonografie und zum persönlichen Konzept des Gartenbesitzers wurde. Zum Bagnokonzept, zu dem später noch mehr erklärt werden soll, entstanden beeindruckende Sicht- und Wirkachsen entsprechend der Semiotik des Gartenthemas. Sie gehörte in Grundzügen schon zum französischen Garten (1760-1780), noch ein Konzept, in dem alles geordnet und, aufgeräumt zu sein hatte und die Natur eine untergeordnetere Rolle spielte. Wie man auf einer Karte für den Bagno-Park sehen kann, war dieser geprägt durch 3 wesentliche Haupt-Achsen. Diese große Achse verbindet die Konzertgalerie über eine dunkle und helle Verbindung mit der Hohen Schule in der Stadt geradewegs Freitreppedurch Freitreppe und Schlossportal. Sie entspricht sinngemäß „mittels Schönheit des Geistes zur Weisheit durch Bildung,“ Die zweite Achse besteht zwischen der Hohen Schule und einem Radsymbol, die dritte Verbindung zwischen der dort wirkenden Kraft des Wassers als lebendigem Prinzip, und dem Bereich der schönen Künste, der Musik und der  Kunst und Kultur auf Höhe der Konzertgalerie. (Kulturelle Achse) Dort schließt sich das Dreieck.

Gehen Sie jetzt die große Allee entlang bis zum Anfang der dunklen Strecke. (Übrigens wurde bei der Neubepflanzung der Bäume links und rechts darauf geachtet, daß sie, wie ihre Vorgänger schon, eine unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeit besitzen und dadurch später einenbogenförmigen Laubengang ausbilden werden.) Am Ende dieser Bepflanzung, rechts mit dem Beginn (oder Ende) der Dunklen Verbindung befand sich gkeich am Eingang ein Wildfreigehege karteund bis gegenüber reichten die Gräflichen Gemüsebeete. (Eine 100%ge Wieder herstellung der Lageverhältnisse ist leider nicht genau möglich. Nach fast 250 Jahren, haben an den Wegeverläufen die Natur und die Menschen als Helfer kräftig gearbeitet und sie entsprechen einfach nicht mehr dem ursprünglichen Verlauf. )

Mit dem farbigen „Enterbutton“ kommen Sie jetzt immer eine Station weiter auf Ihrem Rundgang und können sich etwa in Höhe der Bagno-Gaststätte noch für einen Großen oder kleinen Rundgang entscheiden.

Also nochmals herzlich willkommen im Steinfurter Bagno und Vorsicht Golfbälle, die gehören dem Golfclub Münsterland, auch wenn Sie von denen getroffen werden sollten.  😉

Falls Sie vielleicht zuvor noch etwas mehr über die Philosophie des Bagnos, die Entstehung des französischen Gartens oder einen geheimnisvollen Orden erfahren wollen, klicken Sie HIER und kommen danach auf diese Seite zurück.www-clipart-kiste-de_enter_014

Döhmann07

Quellennachweis

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Der Bootsanleger-Kiosk

Bootsanlegerquadrat
Das hier ist heute
der Verkaufskiosk!

chinBoot

Das Kubikulum steht ziemlich genau an der Stelle, an der nan immer schon den Bootsverleih betrieben hat. Es ist übrigens auch die Stelle, an der eine Fähre (chinesische Dschunke) zwischen dem chinesischen Pavillon gegenüber und dieser Anlegestelle fuhr. Bei Konzerten und anderen Feierlichkeiten befuhren bis zu 6 Fahrzeuge den See. Neben den Pontons waren dieses auch teils mit Verdeck ausgeführte kleine Boote, aber auch ein Schwan mit silbernen Flügeln als Tretboot.

Fähre

 

Die Fahrzeuge auf dem See waren zur „Illumination“ mit bunten Laternen geschmückt und die Schlosskapelle spielte mit einem Teil der Blöser auf der chinesischen Fähre und ein anderer Teil an Land, wie das z.B. bei Händels Wassermusik üblich war. Ob man sich dazu ein kleines Barockfeuerwerk leistete kann ich nicht belegen, ist aber anzunehmen.


Gehen Sie jetzt gleich rechts über die Brücke in Richtung Konzertgalerie. Auf dem linken Rasenstück steht eine Tafel zum gotischen Speisesaal. Gehen Sie nach der Brücke links bis zum ehemaligen Standort der Moschee .www-clipart-kiste-de_enter_014

Eine Uhu-Familie im Bagno

Heute gibt es eine erfreuliche Nachricht.

Folgen Sie mir auf einer kleinen Tour zur Ruineninsel.

Foto: Norbert Schroeder

die zwei Jungvögel

Foto: Norbert Schroeder

im Zoom

Im Bagno hat sich auf der Ruineninsel eine Uhu- Familie angesiedelt. Der Uhu ist die größte Eulenart und eine Vogelart aus der Gattung der Uhus (Bubo), die zur Ordnung der Eulen (Strigiformes) gehört. Uhus haben einen massigen Körper und einen auffällig dicken Kopf mit Federohren. Die Augen sind orangegelb. Das Gefieder weist dunkle Längs- und Querzeichnungen auf. Brust und Bauch sind dabei heller als die Rückseite. Uhu Männchen und Uhu Weibchen sehen im Gefieder gleich aus. Der Unterschied liegt in der Größe und im Gewicht. Das Uhu Weibchen ist deutlich größer und schwerer. Wie Ihr auf dem Foto sehen könnt, ist der Uhu durch seine Größe, seinen kräftigen Kopf mit den großen Federohren, den großen orangeroten Augen, einem dunklen Schnabel und den kräftigen befiederten Beinen gegenüber den anderen Eulen unverkennbar. Außerdem hat der Uhu zwischen den Federohren auf der Stirn ein helles „V“. Das Gefieder beim Uhu variiert von dunkel bis hell. Jeder Uhu hat eine andere Zeichnung (Aussehen) im Gefieder. In Deutschland steht die Art aufgrund vieler Vogelschutzmaßnahmen nicht mehr auf der Roten Liste. Sie zählt aber zu den besonders und streng geschützten Arten. Udo Wellerdieck vom NABU verstand es seine Zuhörer zu begeistern. Übrigens ist er auch ein profunder Kenner der Bagno-Geschichte. Ein Grund mehr unseren Bagno zu besuchen und sich an der Natur zu erfreuen. Übrigens werden die Uhus, es ist ein Altvogelpaar und zwei Jungvögel, den Fledermausbestand auf der Insel nur unwesentlich beeinflussen.

Unser Podcast zum UHU im Bagno

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Stadtgeschichte

Aus den frühen Tagen Steinfurts ist ein köstlich-kurioses Zeitdokument erhalten geblieben, daß ich euch nicht vorenthalten möchte. Die Steinfurter und Borghorster wandten sich nämlich 1841 an den damaligen preussischen König Friedrich Wilhelm IV. mit der Bitte, die Chaussee, die von Münster nach Holland gebaut wurde über Borghorst und Burgsteinfurt zu leiten und  schrieben einen Brief an ihren Landesvater.

Lange Zeit passierte garnichts. Dann kam ein blauer Brief aus Berlin im Postamt Burgsteinfurt an.  Da aber der keinen Absender aufwies, auch ganz schlicht gesiegelt war und obendrein mit 16 Silbergroschen Friedrich Wilhelm IV.Nachporto belastet war, schrieb eine dienstfertige Beamtenhand auf die Rückseite die entscheidenden Worte: „Wird in Steinfurt nicht angenommen.“ Auch Borghorst lehnte den Brief ab. Aber der Postmeister Drerup, der zugleich Gastwirt vom Hotel Zur Post war, brachte den rätselhaften Brief mit an seinen Stammtisch. Nun wurde man aber doch neugierig, wer da aus Berlin nach Steinfurt geschrieben hatte. Frau Drerup schlug vor, den Brief unter heißem Dampf zu öffnen und dann wieder ganz sorgsam zu verschließen, wenn etwas Unwichtiges oder Privates hervorkam Die Tischrunde wollte aber nicht länger warten und jeder zahlte für den Scherz einen Silbergroschen. (Aha, es kamen also mindestens 16 Mann zum Stammtisch damals, sonst wäre der „Scherz“ nicht aufgegangen.) Man war natürlich höchst erfreut und überrascht, als aus dem blauen Umschlag das Handschreiben Friedr_Wilhelm_des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. ans Tages- oder vielmehr ans Abendlicht kam in welchem der Landesvater dem Antrag der Steinfurter zustimmte.  Früher hing das Handschreiben im Borghorster Heimathaus. Wo es heute abgeblieben ist, weis ich leider auch nicht. So geschehen im September des Jahres 1840.  (Fehlt jetzt nur noch eine Gedenktafel mit der Aufschrift: „Neugier führte uns zusammen„.)

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Der Herrensee auf dem Buchenberg

Foto: Rainer Nix

Der Herrensee auf dem Buchenberg ist ist ein bisher noch ungeschütztes „Weltkulturerbe“ *). Der See bezieht sein Wasser aus zwei oberhalb gelegenen Quellen vom Hollicher Esch über Sammelkanäle aus einem bisher noch nicht beschriebenen Kanalsystem im umliegenden Gipfelgebiet rechts und links vom See. Die Kanäle sind besonders zur Bärlauchblüte, wie auf der obigen Darstellung zu sehen, sehr gut zu erkennen und  durchschneiden die Kuppe des Buchenberges bis auf Oberflächenniveau des Herrensees. Sie vergrößern so seine Oberfläche um ein Mehrfaches.

Herrenteich

Die Aufgabe des Herrensees bestand darin, die Anlagen im barocken Teil des Bagnos mit Wasser zu versorgen. Die Anlage war ähnlich wie im Konzept vom Kasseler Bergpark angelegt worden.  Als Baubeginn für die Anlagen des Herrenteiches muß 1773 angenommen werden, da die Fertigstellung zwingende Vorraussetzung für den Bau der Konzertgalerie war. Die Seefläche alleine füllt sich nicht nur vom Regen der darüber niedergeht. Es gibt links und rechts ein extra angelegtes Grabensystem, welches das Regen-, bzw. Oberflächenwasser  dem See zuführt.  An der Stelle, an der der Weg den Bachlauf quert, ist der rechte Zulauf verrohrt und mit einem Wehr regelbar.

Kanäle

Abb.: Festgestellte, bzw. vermutete weitere Gräben

Einige Gräben wurden von mir zwar gefunden, oder werden an den gezeichneten Stellen vermutet, müßten aber noch vermessen und genauer dokumentiert werden. Dort wo sie eindeutig festgestellt werden konnten, sind es teils tiefe Einschnitte bis auf Seeniveau.

Man erreicht den Herrensee, wenn man in Höhe des Parkplatzes vom Lauftreff sich bis auf die Höhe der letzten Gebäude des Hofes Schulze Spenneberg begibt. Vor einem Bach, der rechts aus dem Wäldchen kommt, geht ein Pfad links und parallel zum Bach bis zum Ufer des Herrensees. Links und rechts unten vom See münden die Kanäle, die ihn mit Oberflächenwasser füllen. Rechts gibt es am Feldrain noch zwei Quellen.

Auf der gegenüber liegenden Seeseite sieht man die Reste einer Dammkonstruktion mit eisernen Klammern. Der Damm wurde in Letzter Zeit öfter abgedichtet, verliert aber immer mehr Wasser durch Sickerkanäle in das darunter liegende Gelände. Das am linken Ende liegende, als „Wasser-Überlauf“ bezeichnete Rohrstück ist in Wirklichkeit auch ein Zulauf aus den darüber einspeisenden Sammelkanälen. Herrensee
Das Besondere an der Burgsteinfurter Anlage dieses Speichersees ist, daß man vor 250 Jahren das Kunststück fertiggebracht hat auf einer Bergkuppe, der fast höchsten Stelle des Buchenberges, einen künstlichen See mit einem Fassungsvermögen von 2100m² anzulegen. Dazu mußte ein Damm konstruiert werden, damit der Seeinhalt nicht 15m hinabstürzt. Dieser Damm und die dazugehörige Entnahmetechnik sind nunmehr fast 250 Jahre funktionstüchtig geblieben. Sie haben die Anlagen des Bagno mit Wasser versorgt und auch noch über eine 1000m lange Leitung den Brunnen in der Vorburg vom Schloß gespeist.

Die in der Bohrmühle des Fontaineers angefertigten hölzernen Rohrleitungen führten nach den Ablass-Schiebern und einem Syphon-System ca. 800m bis zur Konzertgalerie. Dort speisten die Leitungen Sammelkästen für die Grotte und den Neptunsbrunnen. Ein Abzweiger verlief zum chinesischen Teich und von dort weitere 1000m zum Schloß, welches bis zum Jahre 1908 vom Reservoir auf dem Buchenberg versorgt wurde und erst danach an die städtische Wasserversorgung angeschlossen wurde.

Bis 1958 sprudelte die kleine chinesische Fontaine noch und hätte es bei guter Pflege auch noch ganztägig auf 14m Strahlhöhe gebracht. Die Anlagen sind alle leider der Innovationswut von Architekten zum Opfer gefallen, die jegliche  „historischen Zitate“ als das Ende ihrer beruflichen Selbstdarstellungsmöglichkeit empfinden und daher ablehnen.

Darauf war man dann auch noch besonders stolz und schrieb auf ein Banner am Parkeingang: „… keine historische Zitate!“ Leider gibt es bis heute keine Lagepläne über den Verlauf des Rohrsystems. Noch 1967 hatte man ein beim Strassenbau beschädigtes Teilstück durch ein Plastikrohr ersetzt. Eine Ausweisung als (Boden-) Denkmal wurde bisher nicht für nötig gehalten. Der See auf dem Buchenberg brachte es an seiner tiefsten Stelle auf 1,90m Tiefe. Heute ist alles verschlammt und nur bei Höchstständen dürften 1,50m erreicht werden. Bei Niedrigwasser gibt der See übrigens ein kleines Geheimnis preis. Es sind dieses die schon von Lübbers erwähnten grünseidenen Muscheln, die 1802 in Amsterdam für die Sala Terra an der großen Fontaine bestellt worden waren.  Leider werden die Fundstücke immer wieder von unwissenden Findern entnommen und unsachgemäß geöffnet. Dadurch gehen sie für eine Reparatur der Muschelgrotte in der Konzertgalerie natürlich verloren.

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 *) Das mit dem Weltkulturerbe ist zwar noch nicht beantragt, sollte man aber überlegen. Der Aschensee in Kassel ist genau wegen der genialen Sammelkanäle in das Verzeichnis aufgenommen worden.

 

Ägyptischer Turm und westfälischer Meierhof

Belverder

Der Ägyptische Turm, erbaut 1781 und danach immer wieder verbessert und zuletzt mit einer Aussichtsplattform auf der Spitze versehen, war für die Wasserversorgung der Großen Fontaine gerade ausreichend. Der Turm hatte im Endausbau eine Höhe von 63m wobei der höchstmögliche Wasserstand in den Behältern bei 51m endete. Um 1820 verlor er seine Funktion.

triangulationsnetz

Trig.  Punkte im DHGN

Aber noch bei der preussischen Landvermessung Westfalens diente er im Juli 1828 wegen seiner von dort aus guten Fernsichtmöglichkeit als trigonometrischer Punkt im Preussischen Haupt- Dreiecksnetz. (der nächste Hauptpunkt wäre in Rheine.) Es ist der einzige Punkt, von dem aus die beiden Ortsteile Borghorst und Steinfurt gleichzeitig zu sehen sind! Andere Attraktionen aus dem Vorratsbehältnis mit Druckwasser zu versorgen, dürfte schon wegen der langen Zuleitungen, höchst unwahrscheinlich gewesen sein. Es war ja gerade das Besondere, daß für jedes einzelne Objekt im Bagno, welches Wasser benötigte, ein eigenes Versorgungskonzept erdacht werden mußte. Nur die kleine Fontaine in der barocken Achse und die 2 Wandbrunnen in der Konzertgalerie waren an das Versorgungsnetz vom Buchenberg angebunden, das auch noch den Zierbrunnen und die Pferdetränke in der Vorburg vom Schloß bis 2004 versorgte. Bei der Neugestaltung für die Regionale sind diese Leitungen und technischen (Boden)-Denkmäler aber alle mutwillig zerstört worden und können jetzt auch nicht mehr nachträglich archäologisch untersucht werden.

In der Symbologie des Bagnos nimmt der Turm eine Besondere Stellung ein. Goué vereinnahmt Ihn als Zeichen für die Einweihung. Standhaftigkeit und Zweckbestimmung waren Eigenschaften des ägyptischen Turms. Und für den „Wahrheitssucher bedeutete er einen höheren Punkt der Überschaubarkeit und Einsichtsfähigkeit.  In seiner Dichtung wird daraus:

Turmgleichnis

Grundlagen der “Bagnophilosophie” sind die neu-platonischen Gedanken zur Erkenntnistheorie. Das Bild des „auf-dem-Turm-stehens“ vermittelt das Bild von der „Entfernung aus der sicheren Bodenhaftung und hin zum Mut für neue Standpunkte“.

Ein westfälischer Musterhof:Abb.: Sicht auf das Große Rad und den Ägyptischen Turm. Davor der „Westfälische Musterhof“

Zum Bagnokonzept gehörte auch die Darstellung eines Westfälischen  Meierhofes.  Morgen- und Abendwerk, ein ländliches Idyll ganz im Sinne Rousseaus. Der preußische Kriegskommisär Johann Christian Schubart (Landwirt, geb. zu Zeitz in Sachsen 24. Februar 1734, gest. 23. April 1787, gehörte zum Orden des Übergangs und setzte sich sehr für seine Verbreitung ein. Er war ebenfalls Freimaurer und Sekretär der altpreussischen Großloge zu den Drei Weltkugeln (3WK)  Er war häufiger Gast in Burgsteinfurt, auch weil Goué beabsichtigte, die Ortsloge der GL 3WK zuzuführen. Schubart hat sich seit 1744 für das verbesserte landwirtschaftliche System des Lupinen- und Kleebaus in Böhmen und Mähren eingesetzt und zum Teil auch um die Stallfütterung und den Fruchtwechsel so wesentliche Verdienste erworben, daß ihn Kaiser Joseph II. Von Österreich mit der Ritterwürde und dem Prädikat Ritter von Kleefeld, zum Direktor der kaiserlichen Domänen unter den „vortheilhaftesten Bedingungen“ in österreichische Dienste berief. Die für damalige Verhältnisse ausgezeichneten Besucherzahlen des Burgsteinfurter Bagnos ermöglichten es, den Drunkemöllerischen Hof als Musterbetrieb dergestalt zu präsentieren, daß sich die damals überwiegend in der Landwirtschaft engagierten Besucher von der Wirksamkeit und Notwendigkeit moderner landwirtschaftlicher Methoden überzeugen konnten.  So erfüllte unser Bagno eine wichtige Multiplikatorfunktion bei der Verbreitung moderner Agrarmethoden. Der Hof wurde 1909 an höherer Stelle wiedererrichtet. Am Stallgebäude links befindet sich heute noch eine wiederverwendete Tontafel, die an den Kleeanbau erinnert.

Hinweis:
Der Zuweg zum Hof ist bereits Privatgelände und heute nicht mehr allgemein zu besichtigen !  Btte nehmen Sie Rücksicht auf Mensch und Vieh eines traditionell vorbildlich geführten Landwirtschaftlichen Betriebes.


Sie können von hier aus den Bagnorundgang beenden und den breiten Pfad zur Konzertgalerie zurückgehen. Sie erreichen dort wieder das Alte Forsthaus. Von dort gehen Sie vor der weissen Brücke rechts ab zum Platz der ehem. -> Moschee. Wenn Sie den Großen Rundgang noch zu Ende bringen wollen ( es wird an dieser Stelle schon etwas anstrengend, weil Sie ja noch um den See zurück zum Parkplatz wollen. ) dann gehen Sie den Weg, den Sie gekommen sind wieder zum Seeufer zurück und biegen links ein zu den Collonaden.

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Bagnosee vom Quadrat aus gesehen

SeeInseln

Abb.: Der See in Richtung Roseninsel. Im Hintergrund Hölzerne Brücke und Arionsberg. Rechts Merkurtempel, das Rad u. Belvedere.  Davor die Rousseau-Grablege (heute Ruinen-Burg)

Attraktiver Mittelpunkt des Bagnos ist der See. Im Sommer wird er gerne als rundum Wanderobjekt genutzt und im Winter animiert er zum Schlittschuhlaufen. Entstanden ist er durch die Bürger der Stadt, Wach-Grenadiere und Eigenhörige des Grafen, die ab 1770 fleißig gegen einen guten Lohn gruben. Zunächst im französischen Stil als geometrische flache Becken, später dann, die natürlichen Verläufe vertieft als natürlich gestaltete Uferverläufe und Teil des bowling green im englischen Gartenideal nachgeahmt. Inseln entstanden, wurden verschoben, vergrößert, verkleinert oder aufgegeben. Zahlreiche Brücken und bunt bemalte Boote belebten den See. Mit einer Tiefe von 1,50 Metern hat man es dann belassen.

BagnoseeDer Bagnosee mit der Rosen- und Rotundeninsel im Rücken mit Blick auf das Große Wasserrad und die Anlagen im Ägypten.

Sie stehen jetzt etwa auf der Höhe der Rotundeninsel, einer ehemaligen Landzunge, die durch die Ausgrabung des Sees vor Ihnen zur Insel wurde. Erst links davon ist die Roseninsel und ganz am Ende die Blumen- oder Ludwigsinsel. RotundeAbb.: Diese Rotunde stand ursprünglich an Land und wurde erst durch eine See-Erweiterung zur heutigen Rotunden-Insel.

RotundeAbb.: Blumen- und Roseninsel erhielten durch die Abtrennung der Rotunde eine weitere Insel hinzu.

Wenn Sie möchten, können Sie ein Stück hoch auf den Hügel klettern und setzen sich dort auf die Bank. Sie sehen am rechten Rand des Sees eine Insel mit einem Burgturm. Das ist die Ruineninsel. Mit dem nächsten „Enter“ erkläre ich Ihnen dann diese Insel.www-clipart-kiste-de_enter_014

Falls Sie neugierig geworden sind und jetzt doch noch etwas über die Bagnophilosophie wissen wollen, dann erfahren Sie das  -> HIER.

Um den kurzen Spaziergang in Richtung Parkplatz zu beenden, gehen Sie bis zum Cubiculum des Bootsverleihs und dann nach der sog. weissen Brücke links etwa bis zur offiziellen Tafel über die ehemalige Moschee im Bagno.www-clipart-kiste-de_enter_014